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Schwarzes Bret
solchen, durch kein Fiasko zu ermüdenden Forschungseifers mit den Tagesblättern der Vergessenheit überantwortet werden? Nimmermehr! Es ist Pflicht der Nation — wir meinen der deutschen Nation, nicht der Bambergerschen „Nation" — eine Prachtausgabe sämtlicher politischen Reden Virchows zu veraustalten! Für die Gegenwart wird die Publikation geringere Bedeutung haben, denn wer heute noch nicht weiß, was wir an dem Herrn haben, wird es auch nicht erfahren, wenn er alle die Reden in einem Atem hintereinanderwegliest. Aber spätere Geschlechter müssen sich fchwarz auf weiß überzeugen können, weil sie es sonst nicht glauben würden, was eine Zeit, die einen Meister der Stnatskuust wie Bismarck hatte, sich von anmaßlichem politischem Dilettantismus hat bieten lassen. Immerhin wird die Lektüre dieser Redcnsammlug auch heutzutage viel Ergötzen gewähren. Also auf zu einer Nationalsubskriptivn!
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Die Neuen Hessischen Volksblätter vom 9. Mai berichten: „In Angelegenheit der nach Seite des effektiven Anstrages sich langhin verzögert habenden Frage einer prozentualen Aufbesserung der Bezüge der Pensionäre des Zivilstaatsdienstes, im Anschlüsse an die den aktiven Beamten bereits seit mehreren Jahren gewährteil Meliorationen, dürfte die Notiz das schlummernde Interesse der Beteiligten einigermaßen erfrischen, daß nnnmehr nach der mit Sicherheit in Bälde zu erwartenden Genehmigung der Ersten Ständekammer in dieser Sache, die Honorirung der betreffenden Quoten (hoffen wir in einer das alte Wort „was lange währt wird gut" realisirenden Weise) vor Schluß des ersten Semesters dieses Jahres erfolgen dürfte." Eine köstlichere Verspottung des Kanzleideutsch haben wir lange nicht gelesen. Die Nenen Hessischen Volksblätter scheinen ahnungslos darauf hineingefallen zu sein.
Die Hartungsche Verlagsbuchhandlung iu Königsberg i. Pr, zeigt ein „Handlexikon aller bisher ergangnen Verwaltnngs-Gesetze" an und bemerkt dazu: „Der Umfang des bedeutenden, über alle wesentliche Fragen des Lebens unter Anführung der Gesetzesstellen Ausschluß gebenden Handbuches läßt sich vor vollendetem Druck nicht feststellen."
Gesetzesstellen für alle wesentliche Fragen des Lebens — o Moses und Solon, was wart Ihr für Stümper!
Zu den Fremdwörtern, die gegenwärtig in ganz unsinniger Weife angewandt werden, gehört auch das Wort historisch. Man redet — in Leipzig wenigstens — von historischen Armbrüsten, historischen Drechslerarbeiten, sogar von historischer — Musik! Für die Pfingstfeier- tage hatte ein Musikdirektor Konzerte angekündigt, bei denen im ersten Teil klassische, im zweiten historisches!) und im dritten moderne Musik ausgeführt werden sollte. Historisch wird also fröhlich in dem Sinne von alt gebraucht.
Wenn man bedenkt, daß alle Fremdwörter bei denen, die ihre Ableitnng und eigentliche Bedeutnng nicht kennen, mehr oder weniger verschwommene Vorstellungen erwecken, und dann sieht, wie unsre Tagespreise von Fremdwörtern wimmelt, dann kann man sich freilich über die Unklarheit in den Köpfen der großen Masse nicht wundern.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig — Druck von Carl Marquart in Leipzig