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Ein Achtundvierziger. Lothar Bnchcrs Leben nnd Werte. Von H. v. Poschinger. Dritter Band. Berlin, C. Heymanns Verlag

Das oft gebrauchte Wortmit Bienenfleiß zusammengetragen" ist auf die Arbeit Poschingers insofern anwendbar, als er wirklich alle mündlichen oder schrift­lichen Äußerungen Buchers und alle Urteile über ihn, deren er irgend habhaft werden konnte, für sein Buch benutzt hat. Aber die Biene führt aus den zn- smnmengetragnen Stoffen einen planmäßigen Bau ans, und das ist Pvschingers Sache nicht. Verschiedne Bekannte Buchers haben bestätigt, daß Bncher durch die ersten Bände des Werkes gründlich verstimmt worden sei; was würde er erst zu diesem Bande sagen! Etwas planloseres kann man sich in der That schwer denken. Nachdem der zweite Band mit dem Wiedereintritt Buchers in den Staatsdienst geschlossen hatte, beginnt der letzte wieder mit den Jugendjahren, dann solgt wieder 1843/49, wieder Aufenthalt in London, wieder diePause" bis 1864, sodaß sich nnr die drei letzten Abschnitte mit den letzten Jahrzehuten beschäftigen, und auch in dicseu wird immer wieder auf die frühere Zeit zurückgegriffen. Wer etwa in dem Werke ein bestimmtes Datum nachschlagen wollte, würde viel Zeit branchen. Mit Ausnahme des vierzehnten Kapitels enthalten alle Nachträge und die Fort­setzung nichts wesentliches, was nicht schon anderweit bekannt geworden wäre. Den Abdruck einer Menge von Familienbriefen, die natürlich von den Empfängern auf­bewahrt werde», aber zum größten Teil für Dritte bedeutungslos sind, auch durch die beigefügten Anmerkungen nicht interessant oder mich nur verstäudlich gemacht sind, entschuldigt der Herausgeber sehr unglücklich mit einem Hinweis ans das bekannte Verfahren mit Goethes Papiereu und auf Herrn Wichmann, den indiskreten Herausgeber Hehnscher Briefe.Weuu dabei auch weniger bedeutendes unter­läuft, so hat das nichts zu sagen." Mit Verland! So wenig die Speise- nnd Waschzettel n. s. w. Goethes, so wenig tragen viele von den Briefchen Buchers zur Charakteristik das mindeste bei. Oder ist es wichtig, zu erfahren, daß die Bekanntschaft Poschingers mit Bncher dnrch nachstehendes Schreiben vom 11. No­vember 1880 herbeigeführt wurde:Euer Hvchwohlgebvreu habe ich im Auftrage des Reichskanzlers etwas einzuhändigen und bitte ergebenst, morgen Vormittag auf dem Amte vorsprechen zu wollen"? Oder daß Bncher 1845 in Kopenhagen einen Staubkamm gekauft hat, oder daß eiuc Schwägerin ihm mehrmals Hyazinthen zu­geschickt hat? Und so fort in inünitum. Wenn berühmte Leute befürchten müssen, daß jeder von ihnen beschriebne Zettel sofort nach ihrem Tode iu die Öffentlichkeit gebracht werden tonnte, so dürften sie, nm sich vor Taktlosigkeit nnd Indiskretion zu schützen, leicht das Briesschreiben gänzlich aufgeben! Daß Bucher selbst dem Herausgeber anfangs bezeichnet hat, was nach seinem Dafürhalten für das besprochne Werk passend war, und was nicht, ferner es abgelehnt hat, das Manuskript oder auch nur die Aushängebogen durchzusehen, wird von Poschinger ausdrücklich er­wähnt , nnd diese Weisungen hätten doch für die Fortsetzung gelten sollen. Die Mitteilungen über diese Verhandlungen bieten manches interessante in Briefen Buchers und in Gesprächen, über die Poschinger sofort Aufzeichnungen gemacht zn haben scheint. Daß aber diesen gegenüber Vorsicht geboten sein wird, lehrt die tägliche Erfahrung, auch weun der Jnterwieiver die beste Absicht hat, wortgetreu zu be­richten. Druckfehler sind uns nicht viel aufgefallen, aber manche sind allerdings