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Sozialismus und Sozialdemokratie
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^ozialismus und Socialdemokratie

ecken sich diese Begriffe, oder decken sie sich nicht? Eine höchst überflüssige Frage, werden die einen sage». Das ist doch schon in dem Streit zwischen Treitschke und Schmoller vor nunmehr zwanzig Jahren festgestellt und seitdem oft wiederholt worden, werden die andern sagen. Trotzdem werfen wir heute diese Frage nochmals auf, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil unsre kapitalistisch gerichteten, getauften und ungetansten Mitbürger mit Vorliebe die Taktik an­wenden, jeden Vorstoß, der zu Gunsten einer absichtlichen staatlichen Einwirkung auf die Vermögensverteilnng und Kapitalbildung unternommen wird, fofort als empörenden Auswuchs der Sozialdemokratie zu brandmarken. Ja man fließt heute mehr als je von sittlicher Entrüstung über, seitdem der Sozialisinus auf eine neue Stufe seiner Entwicklung getreten ist. Fühlt man vielleicht auf kapitalistischer Seite heraus, daß damit die Gefährlichkeit des Sozialismus, wenn man so sagen darf, gewachsen ist? Freilich ist die sittliche Entrüstung nicht weit her. Sie ist ein Ausfluß von Angstgefühlen, die sich leicht da ein­stellen, wo man für sich, d. h. für den eignen Bentel keinen günstigen Aus­gang sieht.

Was aber ist denn geschehen in den letzte» Jahren, daß die kapitalistisch gerichteten Seele» i» so starke Entrüstung versetzt worden sind, daß sie mit dem Umsichgreifen des Sozialismus unter den Gebildeten den Untergang des Staats voraussehen und darob ein Wehgeschrei erheben? Nichts weiter, als daß der Sozialismus, der schon längst hie und da das Katheder eingenommen hatte, nun anfing, auch die Kanzel zu erobern. Ein beängstigendes Zeichen allerdings für die, die nicht laut genug verkünden können, daß das Christentum uur ein ausgelebtes Stück Mittelalter sei, dabei aber vor Angst vergehen, es könnte dieser Leichnam doch wieder lebendig werden. Erinnern wir uns des Grenzboten II 1894 !Z1