Litteratur
Soziale Kämpfe vor dreihundert Jahren. Altnürnbergische Studien von Bruno Schvenlank, Leipzig, Duncker und Huinblot, 1894
Schoenlcmk hat den Artikel „Gcscllenverbände" im Handwörterbuch der Staats- wissenschaften von Conrad und Lexis geschriebeu. In dem vorliegenden kleinen Buche beleuchtet er das dort Gesagte für die Zeit des sechzehnten Jahrhunderts durch Nürnberger Urkunden. Diese ergeben, daß es dem Rate und den Meistern nicht gelungen ist, durch Ausführung der von: Jahre 1530 ab erlassenen Ncichsvvlizei- verbote die Gesellenschenken abzustellen uud die Verbände zu sprengen; dnrch Ver- rnfserklärung wurden den Nürnberger Handwerkern die Gesellen entzogen, bis sie selber beim Rate die Wiederherstellung der Schenken beantragten uud durchsetzten; allerdings kamen diese und damit das ganze Gesellenverbandswesen bei der nun erfolgenden gesetzlichen Neuordnung unter die Aufsicht der Meister. Die Urkunden enthalten viel kulturhistorisch merkwürdiges uud für die Beurteilung der damaligen sozialen und Gewerbezuflnnde wichtiges Material. Die Korrektur hätte sorgfältiger sein können. S. 38 steht mit mehr für nit mehr, S. 80 zu mit geringem statt zn nit geringem ncichtail und weiter oben artienl statt artienl, S, 127 Tott für Gott (Got, Pate), S. 155 ist eine Jahreszahl verdruckt: 1553; wo 1653 gemeint ist. Der Druckfehler Ratsdreketen auf S. 60 erinnert an einen Witz, den Lnther zu machen liebte.
Shakspere. Fünf Vorlesungen aus dem Nachlaß von Bernhard ten Brink. Straßburg,
Karl I. Trübner, 1393
Der so früh verstorbne Verfasser hat in seiner Litteraturgeschichte die Zeit Shaksperes, die Blütezeit unter Königin Elisabeth, nicht mehr behandeln können. Daher ist es von dem größten Werte, daß uns diese Periode wenigstens in den hier genannten Vortrügen von ten Brink dargestellt vorliegt. Der erste Vortrag beschäftigt sich mit dem „Dichter uud Meuscheu" Shakspere. Es wird darin kurz vorgeführt, was wir von des Dichters Leben wissen, und zugleich in geistreicher und schlagender Weise die Baevn-Shaksperetheorie zurückgewiesen. Der zweite Vortrag ist für den Literarhistoriker besonders wichtig, weil hier eine Zeitfolge der Werke Shaksperes aufzustellen versucht wird. Vom „Titus Andronicus" uud von der „Komödie der Irrungen" sehen wir den Dichter aufsteigen bis zu seiner höchsten Vollendung im „Stnrm," im „Cymbeline," im „Wintermärchen" uud in „Heinrich VIII." Der dritte Vortrag behandelt dann Shakspere als Dramatiker im allgemeinen, der vierte ist dein komischen Dichter, der letzte dem tragischen gewidmet. Die Art, wie er seine Stücke anlegte und aufbaute, wird uus anschaulich an „Romeo und Julia" vorgeführt. Seine Kunst als komischer Dichter wird an einem Stück, das er nachahmte und doch auch wieder so ganz anders behandelte, als es die Vorlage bot, an der „Komödie der Irrungen," mit großem Geschick entwickelt, sein Genie als Tragiker an „Julius Cäsar," „Hamlet" und „Maebeth" gezeigt. Überall, besonders in den drei letzten Vorträgen, zeigt sich ten Brink nicht nur als genanen Kenner der Werke des Dichters, sondern auch als ein Mann, der die Gedanken des Dichters wirklich nachgefühlt hat. So sei denn die vorliegende Schrift allen Freunden des Dichters nnfs angelegentlichste empfohlen.
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr, Wilh, Grunow in Leipzig — Druck von Carl Mcirquart in Leipzig