<Lin Kapitel von deutscher Lyrik
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müßte für unsre besten Schriftsteller eine Ehre und eine Freude sein, für diese Wochenschrift das Beste zu biete», was sie bieten können. Reicht zur Herausgabe einer Wochenschrift dieser Art das Vermögen und die Einnahme des Vereins nicht aus, so veröffentliche man gute, volkstümliche, kürzere Geschichten (nicht umfangreiche Romane, die kein Ende nehmen) in wöchentlichen Lieferungen zu zehn, höchstens zwanzig Pfennigen. Ein Vorbild dafür köuute die „Vvlks- bibliothek des Lcihrer hinkenden Boten" sein, doch denken wir sie uns besser ausgestattet als die Lahrer Hefte und den Inhalt von nicht gar so verschiedenartiger Buntheit, wie in der Lahrer Volksbibliothek. Unsre Vvlksschriftstellcr der letzten fünfzig Jahre würden genug Stoff bieten; neue „Prcisnovellen," die dem Verein immer viel Geld kosten, brauchte mau nicht zu bringen.
Ein Verein, der svlche Schriften verbreitete, würde wirklich den Geschmack seiner Leser bessern und heben, statt, wie es jetzt der Weimarer Verein thut, zu den Lesern herabzusteigen uud ihrem schlechten Geschmack durch Abdruck von spannenden „OriginalvvllSrvmaneu" und Jndiancrgeschichten eutgegcuznkmume».
Gin Kapitel von deutscher Lyrik
in halbes Jahrhundert ist vergangen, seit Geor^ Herwegh zürnend gesungen hat:
Nie wurden noch der Silben mehr gemessen, Und glaubt mau unserm kritischen Gelichter, So wäre schier der dritte Mann ein Dichter Von Thule bis zum Lande der Tscherkesseu!
Seitdem hat sich die Geltnng und der sichtbare Einfluß der Lyrik in solchen, Maße gemindert, daß zahllosen „modern" Gebildeten die einfache Wahrheit,
aß die echte und ursprüngliche poetische Begabung in neuuuudneuuzig vou Mildert Fälleu mit der lyrischen Begabung zusammenfällt, ganz abhanden gekommen ist, daß diese „Gebildeten" der gequältesten Reflexion und der ödesten .-liache größere Bedeutung beimessen, als der eigentlich poetischen Phantasie ""d Empfindung; aber die Zahl der Lyriker hat trotzdem nicht abgenommen, und die Schwierigkeit, den vollen Ausdruck der poetische» Natur von dein
ers- und Neimsport des vergnügten Dilettantismns zu scheide», ist nicht geringer geworden. Die Kritik der Jüngsten hat es darin freilich bequemer; W^"^ ^ ^ ^ nicht uach dein Hanptunterschied, ob hinter einer Gedichtsammlung eine Kraft, eiue Natur oder doch wenigstens eine Persönlich- Grenzboten II 1L94 Zg