Die Massenverbreitung guter Schriften
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UM ihre Jugend gebracht werden; 6. insbesondre unser deutsches Volk der Möglichkeit, seine gewaltige Kraft in produktiver Arbeit zu entfalten, beraubt und zur Verkümmerung verurteilt wird.
Die Massenverbreitung guter Schriften
s ist eine traurige Beobachtung, die man bei Betrachtung unsrer jetzigen unterhaltenden Litteratur macht, daß sich in den letzten dreißig Jahren der Geschmack in unserm deutschen Vaterlande ganz entschieden verschlechtert hat. Dies gilt für alle Kreise der Bevölkerung, für die sogenannten Gebildeten, wie für die weniger Gebildeten. Wenn eine Erzählung nicht fortwährend spannt und dem Lesenden einen Schauder nach dem andern über den Rücken jagt, wird sie als langweilig und altmodisch ans die Seite geworfen. Woher diese Geschmacksverschlcchternng kommt, soll hier nicht weiter untersucht werden; es genügt, die bedauerliche Thatsache festzustellen.
Zur Bekämpfung der schlechten Schriften durch gute wurde im Jahre 1891 der „Verein zur Massenverbreitung guter Schriften" begründet, der seinen Sitz in Weimar hat. Es liegt also jetzt eine dreijährige Thätigkeit des Vereins vor, drei „Folgen" von Büchern sind von ihm veröffentlicht worden, man darf daher jetzt wohl über seiue Thätigkeit ein Urteil fällen.
Jede „Folge" umfaßt drei Bände. Der Verein fing an mit einem Bande Novellen bekannter und beliebter Schriftsteller. Zschokke, Halm, Putlitz, Jensen, Maximilian Schmidt und der durch seine Erzählungen aus Litauen bekannte Goldammer sind darin vertreten. Der zweite Band enthält zwei größere Geschichten: „Im Heimatshafen" und „Blmicos und Colorados" von Steinberg und von Nötiger. An Novellen stehen darin: „Meister Martin" von E. T. A. Hoffmann, „Die alte Mühle" aus Voglers Erzähluugeu aus dem Wiener Wald und eine lustige und eine ernste kleine Geschichte von Nunze-Nikolaus. Der dritte Baud umfaßt „Die Frau des Arbeiters," einen längern Roman von Friedrich Friedrich, uud die kurzen Erzähluugeu: „Lebenskämpfe" von Tegtmeyer uud „Zwei in einem Neste" von Horst. Die zweite Folge (1892) bringt nur einen Band mit kleinen Geschichten. Darin steht zuerst die Preiserzählung des Vereins: „Der Puppenspieler" von Schuttes, dann Novellen und Skizzen von Glaß, Hansjacob, Stein, Villinger und Schuttes, uud von W. O. von Horn „Aus dem Ostcnder Badeleben," von Rvsegger (aus seinen