Maßgebliches »nd Unmaßgebliches
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verlebe wie heute, dann wird mein altes Achtundvierzigerherz wieder jung, und ich kann im Hinblick auf Vergangenheit und Zukunft nnser altes Bundeslied wieder anstimmen:
Wir hatten gebauet Ein stattliches Haus!
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Der preußische Doktor. In Nr. 232 der Nationalzeituug (13. April) wird nutcr Beziehung auf die Ausführungen des Abgeordneten vr, Friedberg im preußischen Abgevrdnetenhnuse die Nachricht verbreitet, daß im preußischen Unterrichtsministerium „ein Verbot der Führung des Doktortitels, soferu er nach minder streugeu Vorschriften als den der preußischen Universitäten verliehen sei, für Preußeu vorbereitet werde." Nach einer spätern Lesart handle es sich allerdings bisher nur um Vorarbeiten, während man au zuständiger Stelle zu einer bestimmten Stellung gegenüber der angeregten Frage noch nicht gekommen sei. Wenn nun auch die letztere Nachricht etwas beruhigender klingt, so scheint es doch schon mit Rücksicht darauf, daß ein solches Verbot als im Bereiche der Möglichkeit liegend erachtet worden ist, sowie im Hinblick ans den abermaligen Vorstoß des Abgeordneten vr. Friedberg im Abgeordueteuhcmse bei der Beratung des Kultusetnts am 17. April 1894 schon jetzt angebracht, auf die Folgen hinzuweisen, die ein solches Verbot haben würde.
Zunächst sei bemerkt, daß wir den Wert des Doktortitels nicht überschätzen, svuderu uns wohl bewußt sind, daß er heutzutage für den ttberwiegeuden Teil seiner Träger lediglich auf idealem Gebiete ruht. Aber deshalb sollte man gerade jetzt an der Tradition nicht rütteln, wo noch das Streben vieler nud keineswegs der schlechtesten Studenten dahin geht, sich nicht bei dem staatlichen Examenstempel zu beruhigen, sondern auch noch ein Zeugnis jener lediglich wissenschaftlichen Instanzen, die man Universitäten nennt, zu erwerben uud als dauernd fühlbare Erinnerung an die freien und hohen Tage auf der alm.-,, niatkr in das alltägliche Philisterlebcn hiuüberzuretten.
Wenn nun das Verbot der Führung des Doktortitcls kommt, so werden die davon Betroffnen in einer bisher nicht bekannten Art expropriirt. Es soll kein Wort darüber verloren werden, daß die ans die Leistung des Doktorexamens verwendeten Summen nntzlos ausgegeben sein würden; Thatsache ist, daß jene Männer von ihrer wissenschaftlichen Ehre entsetzt, ihnen ahnungslos ein Titel abgeknöpft werden würde, in dessen ungestörtem Besitz sie sich vielleicht seit Jahrzehnten befunden haben. Ja diese Entsetzung würde widerwärtiger für fie sein, als ihnen der Besitz jenes Titels je nützlich oder förderlich gewesen ist. Denn das Publikum wird von einem Arzte, einem Notar oder Anwalt, der eines schönen Tags von seinem Schilde das „I)i-," abkratzen muß uud seine Rezepte und Protokolle nicht '"ehr mit dem gewohnten Titel unterzeichnet, sagen! „So lange hat der Kerl seinen Titel zu Unrecht geführt, unn ist der brave Staat gekommen und hat den Jgno- wnteu entlarvt!"