Beitrag 
Deutsche Künstlerwerkstätten in Rom
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

Deutsche Künstlerwerkstätten in Rom

von einem Annstler

s gab eine Zeit, wo das Ziel der Sehnsucht jedes deutsche» Künstlers die Pilgerfahrt nach Italien, nach Rom war. wo eine große Anzahl deutscher Meister von Rom aus befruchtend auf das hennische Kuusttreiben einwirkte. Diese Zeit ist vorüber, fast vergessen. Das Kunstideal der Modernen ist Paris, die französische Kunst erscheint ihnen als das höchste, für den jnngen Künstler einzig erstrebenswerte, der Nachahmung würdige. Nur wenige sind es, die die Schöpfungen der größten Zeit der italienischen Knnst noch kennen und verehren. Nnu leidet aber unsre Kunstanschanung unter der Unklarheit der künstlerischen Ziele, es herrscht Zersplitterung, Zerfahrenheit, die Künstler aus verschiednen Lagern bekämpfen einander. Sollen wir noch lange so vegetiren? Könne» wir nicht wieder zu bestimmten Bestrebungen gelangen? Gewiß, wir können es, wenn wir uns nur bemühen, die technischen Fortschritte der Neu­zeit von dem klassischen Geiste jener unvergleichlichen Kunstperiode der ita­lienischen Renaissance beleben zu lassen. Diesen Geist aber können wir nur auf dem Boden wirklich verstehen, wo seine Schöpfungen stehen, nur dort können wir uns zu der Höhe seiner Gedanken erheben, Italien ist der Boden, der uns neu befruchten muß. Welcher Ort der Welt vereinigt aber in dem Maße wie Rom die herrlichsten Knnstschöpfnngen aller Zeiten, eine Natur, deren Schön­heit keine andre übertrifft, und einen Menschenschlag von vollendetem Adel der Körperbildung!

Erwägungen solcher Art veranlaßten im Jahre 18ö2 den deutschen Künstlervereiu in Rom, eine Eingabe an die deutsche Reichsregiernng zu richten, des Inhalts, das deutsche Reich möge in Rom ein großes Terrain erwerben, auf dem Ateliergebäudc für deutsche Künstler erbant werden könnten. Frank­reich und Spanien haben seit Jahren schon Heimstätten für ihre Künstler in Rom als staatliches Eigentum. Frankreich in der herrlich gelegnen Villa Medici auf dem Monte Pincio, Spanien in seinem Akndemiegcbäude neben dem Kloster Sau Pietrv iu Montoriv. Auch Amerika strebt jetzt eifrig nach Erwerbung solcher Stätten.