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Nationale Dichtung
Auch in andrer Beziehung ist es uns gelungen, die Franzosen im Wettbewerb zu schlagen. So liefen im November 1893 in Berlin Bestellungen auf 20000 Stück Uniformen ein; derartige Aufträge Pflegte die venezolanische Regierung bisher immer nach Paris zu geben.
Wir freuen uns aufrichtig, daß redlicher deutscher Arbeit auch hier die Anerkeuuuug nicht fehlt, und wir geben uns der Hoffnung hin, daß das neueste Werk deutschen Fleißes, die „Große Venezuelaeisenbahu," noch mehr dazu beitragen wird, unserm Namen in Südamerika Achtung nnd Ansehe» zn verschaffen.
Nationale Dichtung
von Adolf Bartels (Schlich)
lso die Stoffwahl des Dichters ist nicht willkürlich. Aber nationale Stoffe haben doch einen Vorzug, meint man; die Stoff- gestaltnng gelingt am naturwahrsten, wenn man mit der Stvff- wahl in der Raffe bleibt. Auch das ist nicht ohne weiteres wahr, es kommt alles auf die Wärme an, mit der der Dichter eiuen Stoff in sich aufnimmt; Zeit- und Lvkalfarbe zu treffen gehört zu den der großen dichterischen Begabung innewohnenden Eigenschaften. Das erkennt auch der Verfasser von „Volkstnm und Persönlichkeit" an, wenn er schreibt: „Wenn der Dichter einmal eine besonders leidenschaftliche Stimmung ausdrücken will(!), wird er mit künstlerischer Berechtigung in die Geschichte der arischen Südländer greifen n. f. w., je uach der Grundstimmung, die seine Protensnatur gerade zur Entlastung drängt. Die Nebelstimmnng eines Hamlet wäre in Italien unmöglich; Othello aber, der wilde Maure, wäre als Germane undenkbar. Und Shakespeare wird uicht etwa, wenn er sich in die Seele eines Mohren versetzt, plötzlich unnational, schleudert deu Engländer ab und wird »echter Maure«; so etwas ist unmöglich. Das Bindeglied liegt wo anders. Die Seele eines jeden Volkes hat im großen und ganzen eine besondre Eigenschaft besonders ansgeprägt: wir sprechen von dem eleganten Franzosen, dem stolzen Spanier, dem heißblütigen Iren u. f. w. Im Organismus des Dichters schlnmmern alle diese menschlichen Eigenarten, alle Laster, Tugenden, Temperamente. Freilich über eine gewisse Grenze kaun der größte Dichter nicht hinaus. Niemand kann voll nnd folgerichtig einer fremden Rasse der Arier z. B. dem Semiten nachempfinden; sein andrer Organismus läßt