Schwarzes Bret
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Voraus hcit (wie mutet es uns heute nn, wenu wir hören, daß beim Einznge des Kaisers und des Reichstags in eiue Stadt die Bürger von der Obrigkeit ermähnt wurden, bei Nacht ihre Töchter nicht ausgehen zu lassen!), aber auch das kurzlebige, vergeßliche Geschlecht der modernen Zeit an das viele Gute zu erinnern, das seine Väter in ihrem rauhern, derberu Sinn, aber auch iu ihrer wärmern Gemütlichkeit und in ihrem aufrichtigern Glaubenseifer geschaffen haben.
Ein besondrer Vorzug des Buchs ist es, daß es die trüben Zeiten sittlicher Verwilderung zwar ohne Schönfärberei, aber mit edelm Anstand und iu geziemender Sprache behandelt, wodurch es sich vorteilhaft von Scherrs Kulturgeschichte unterscheidet. Die Ausstattung ist vortrefflich; dagegen stören mancherlei Verstöße im Ausdruck und zahlreiche Druckfehler, deren Beseitigung bei einer neuen Auflage dringend zu wünschen wäre.
In einer Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamts, die Einziehung der gestempelten Briefumschläge und Streisbänder betreffend, sind folgende Mustersätze zu lesen: „Ebenso kommen bei dem Umtausch einer größeren nicht durch 2 teilbaren Zahl von Streifbändern für das überschießende Exemplar Herstellungskosten nicht zur Erstattung. Die PostHilfsstellen und die amtlichen Bertaussstellen für Postwertzeichen haben mit dem Umtausch keine Befassuug." Die Bekanntmachung ist unterzeichnet: „Der Staatssekretär des Reichspostamts. In Vertretung: Fischer."
Könnte sich der Staatssekretär des Neichspvstamts nicht dnrch einen Beamten vertreten lassen, der mit der deutschen Sprache, wenigstens während seines Schulbesuchs, einige „Befassung gehabt hat"? _
Herr Theodor Wolfs, auch eiuer der Jüngsten, hat beim Berliner Tageblatt die schöne, erhebende Thätigkeit, für Herrn Mosse Feuilletons und Bücherbcsprechungen zu verfassen. Aber sein Vaterland mnß größer sein: er schwärmt für das Französische. Neulich begegnete ihm ein ganz kleines Unglück. Er setzte an die Spitze eines seiner süßen Feuilletons einen Vers, natürlich einen französischen, und schrieb darunter: visux «l^uson. Aber das kleine Mißgeschick störte Herrn Theodor Wolfs wenig, er ist nur etwas vorsichtiger geworden. Er hütet sich nun vor frauzösischen Zitaten und vor Adjektiven, die zwei Endungeu haben, aber seiner Leidenschaft fröhnt er weiter. Augenblicklich befindet er sich in Abbazzia und bedient von dort aus seinen Chef. Ein kleines Zugeständnis hat er allerdings an das gastliche Österreich gemacht, denn er überschreibt seine Berichte: „Wie es iu Abbazzia ausschaut"(!). Daß nun Herr Wolfs sein Lawn-Tennisrnquet vergessen hat, und weil ihm in Abbazzia niemand eins borgt, nicht am Lawn-Tennis teilnehmen kann, ist für die Leser sicherlich höchst interessant. Auch daß er in schwülstig byzantinischer Weise schildert, wie er, ohne auf seinen neuen Anzug zu achten, einen dem Kaiser gehörigen Pudel aus dem Wasser gezogen hat und dafür den Dank des Kaisers geerntet hat, wird viele Leser aufs tiefste rühren. „Wir schätzen, wie er schreibt, nicht was er schreibt." Denn er beginnt seine Sätze nicht einfach deutsch: „Der Kaiser nnternahm u- s. w.," souderu „Es ist der Kaiser, welcher u, s. w." Er sagt nicht:
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