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Deutsche Redensarten
jenes Sumpfes, in den ihn jeden Augenblick ein Windstoß der Konkurrenz oder ein Fehltritt hinabstürzen kann. Von diesem Elend hatten frühere Zeiten keine Ahnung. Feindliche Einfälle, barbarische Justiz und Hungersnot konnten schlimmere akute Leiden erzengen, als sie heute vorkommen. Aber keine Hungersnot trieb deu hörigen Bauer aus seinen vier Pfählen; er wurde nicht zum verachteten Lumpen und zum Jagdwild der Polizei herabgewürdigt; seiu Obdach und seinen Acker behielt er, und gelang es ihm, sich durchzuhungern, so lebte er dann weiter wie vorher. Landlose Leute entstanden freilich durch die Zunahme der Bevölkerung schon in der Hohenstaufenzeit. Aber die einen wurden .Kolonisten, die andern fanden reichlichen Verdienst in den aufblühenden Städten, und die zu faul oder zu wild zur regelmäßigen Arbeit waren und als vogelfreies Volk in den Wäldern umherschweiften, waren dort sicher vor Verfolgung. Gaukler machten keine schlechten Geschäfte; ein Pferd war ein nicht ungewöhnliches Geschenk für den fahrenden Mann, man findet diesen Vagantensold in manchen Stiftsrcchnungcn verzeichnet.
So sind also die Angaben Herrmanns über die Lage des heutigen Arbeiter- standcs und über seine Bestrebungen einzeln zwar alle oder doch fast alle richtig, das Gesamtbild aber, das die einzelnen Züge ergeben, ist so schief und verworren, daß es eigentlich gar nicht ein Bild, sondern nur ein Haufe von Widersprüchen genannt zn werden verdient.
(Schluß folgt)
Die deutschen Redensarten
edermann weiß, daß nnsre Sprache reich ist nn kräftigen, witzigen volkstümlichen Wenduugeu aus den verschiedensten Lebenskreisen. Jeder Deutsche sührt einen Schatz solcher Kraftbilder bei sich nnd gebraucht sie gern; sie bezeichne» oft den springenden Punkt einer Sache, treffen den Nagel auf den Kopf, nennen das Kind beim rechten Namen (da haben Nur gleich ihrer drei!), wo sich eine bildlose Rede nur mühsam nm die Sache herumbewegen würde „wie die Katze um den heißen Brei," und der behagliche Witz, der oft in ihren Bildern liegt, ist echt deutsch. Im alltäglichen Gespräch ist man sich wohl kaum bei einer ihres vollen Inhalts bewußt; auch nicht bei solchen, wie der zuletzt gebrauchten, deren Vorstellung jeder doch sofort gewinnen kann, wenn er nur will. Demi in dem Augenblick, wo sie ausgesprochen werden, sind sie ja, wie alles Sprechen, nur Mittel zum Zweck. Aber daß sie oft ein so vor-