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Nationale Dichtimg
sich die römische Welt nicht vollkommucr politischer und sozialer Gesundheit erfreut habeu kam,, beweist ja der Untergang des Reiches zweihundert Jahre nach seiner höchsten Blüte, und ueben der Auflösung alles kräftigen Volkstums, womit die natürliche Grundlage der Staatenbildung schwand, wird der starke Prozentsatz von Sklaven gerade im herrschenden Volke eine Hauptnrsache der Schwäche geweseu sein. Aber wer will den jetzigen europäischen Völkern mehr als zweihundert Jahre selbständigen Daseins verbürgen? Zwar zeigen sie einerseits noch viel Lebenskraft, andrerseits aber leiden sie ersichtlich an gefährlichen innern Krankheiten, und deren hauptsächlichste ist die verdeckte Sklaverei, in der ihre Besitzlosen schmachten, und deren Haß gegen die Besitzenden. Den Schein zu zerstören, womit Redensarten und juristische Formeln die Wirklichkeit verhüllen, und die Dinge zu zeigen, wie sie sind, war der Zweck dieser Aufsätze. Mit der Aufhebung der persönlichen Unfreiheit und der Verleihung der Staatsburgerwürde au alle erwachsenen männlichen Wesen sind den Staaten zwei ungeheure, vor dem neunzehnten Jahrhundert noch niemals in der Weltgeschichte dagewesene Aufgaben gestellt, für deren wirkliche Lösung aber uoch keiu Staatsmann einen Finger gerührt hat. Da nun aber der Widerspruch zwischen dem, was ist, uud dem, was nach dem Buchstaben des Gesetzes sein soll, täglich unerträglicher wird, so werden sich die Staatsmänner der Lösung des Widerspruchs, der Entscheidung nach der einen oder der andern Seite hin nicht mehr lange entziehen können; sie werden endlich einmal erklären müssen, ob die Aufhebung der Staudesunterschiede und insbesondre der Sklaverei nur eine thörichte Verirruug geweseu ist, ob die Leibeigeuschnft uud der Sklavenmarkt mit oder ohne easww (Schangerüst) wieder hergestellt werden, oder was sonst geschehen soll.
Nationale Dichtung
vo» Adolf Bartels (FortschuiigZ
or einiger Zeit kamen mir Ausführungen zu Gesicht, in denen nicht ohne scheinbare Berechtigung die Weimarische Poesie unsrer Dichterheroen gewissermaßen als rein künstliches Produkt, dem eigentlichen deutschen Wesen nicht entsprechend hingestellt wurde. „Ich glaube, hieß es da, daß die poetische Theorie der Weimarischen Dioskuren eine verkehrte war und nur durch so ausgezeichnete dichterische Kräfte wie sie aufrechterhalten werden konnte; mit einem Weiterbaueu