Die Sklaverei bei den antiken Dichtern
3 .
aß die Sklavin etwaigen ungebührlichen Zumutungen des Herrn gegenüber wehrlos ist, bildet eines der stärksten Bedenken gegen die Sklaverei vom christlichen Standpunkte aus. Doch hat auch in dieser Beziehung das antike Leben ohne Zweisel ebenso hoch über seiner Theorie gestanden wie unser Leben unter der seinigen steht. Im kleinen Haushalt wird die Eifersucht der Frau die Sklavin so weit behütet haben, daß es auf den alten Bauernhöfen durchschnittlich nicht schlimmer zugegangen ist als auf unsern heutigen. Was aber die Luxussklaviunen der Reichen anlangt, sv wird ihre Abhängigkeit, abgesehen von besonders krassen Fällen, nicht schmachvoller gewesen sein, als die vieler heutigen Kellnerinnen, Konfektionsarbeiterinnen und Schauspielerinnen. Wäre Sklaverei und Verurteilung zur Unzucht ein und dasselbe gewesen, so Hütte Paulus seinen Rat 1. Kor. 7 ganz anders gefaßt. Er rät in diesem Kapitel, jeder solle in seinem Berufe bleiben, und sagt V. 21: „Bist du als Knecht berufen, so bekümmere dich das nicht kannst du aber frei werden, so mache lieber davon
Gebrauch"; er Hütte dann den Knechten und Mägden gebieten müssen, die Freiheit um jedeu Preis zu suchen. Im Curculiv läßt Plautus die Planesium aus den Händen des Kupplers, dessen Sklavin sie ist, als Jungfrau in die ihres Bräutigams übergehen; jn sie bittet ihren Bruder, der sie aus der Sklaverei befreit, für ihren bisherigen Herrn mit den Worten: „Bruder, richt ihn nicht zu Grunde, mag er immer schuldig sein! Fein und sittsam hielt er mich zu Haus."*)
Prostituirt werden durften nur Sklavinnen; schon die Verführung eines freien Mädchens war strafbar. Die Alten waren also in diesem Punkte strenger als die modernen Staaten. Doch findet man nirgends angedeutet, daß die käuflichen Mädchen so schmachvoll, so rein als Sache behandelt worden wären (worin doch gerade das eigentlich Unsittliche liegt) wie bei uns; sowohl bei den römischen Lyrikern wie in der Komödie und in Lueicms Hetärengesprächen
Luther lvbt den Terenz, weil er sehr züchtig sei, und die Komödien der Alten überhaupt, weil sie die Jünglinge von der Unzucht abzögen und zur Ehe lockten, an zwei Stellen seiner Tischreden: Walchs Ausgabe von Luthers Werken, 22. Band, Spalte 1775 und 2278.