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Schwarzes Bret 47

Archive und eine große Zahl von Bibliotheken, die in frühern Jahrgängen gefehlt hatten. Auch die Angaben über die gelehrten Bildnngsanstalten des Auslandes sind vielfach erweitert worden, so die über die russischen und skandinavischen An­stalten und über die französischen Bibliotheken und Archive. Leider ist dadurch das Material so gewachsen, daß sich die Herausgeber genötigt gesehen haben, den wertvollen Teil über die Uuiversitätsverfassnngen aus diesem Jahrgang auszu­scheiden. Wer sich über diese Verhältnisse unterrichten will, muß also zum zweiten Jahrgang zurückgreifen. Die Ansstattnng des Bnches ist vortrefflich,

Berstehen wir Deutsch? Volkstümliche Sprachuntersnchungeu von Ernst Eckstein. Leipzig,

Carl Reißuer, 1894

Dieses Büchlein erweckt sehr gemischte Gefühle. Der Verfasser will zeigen, daß Wir unsre Sprache nichtverstehen." Das kann er natürlich nnr, indem er zeigt, daß uns bei so und so vielen Wörtern jedes etymologische Bewußtsein geschwunden ist, mit andern Worten: daß uns unsre Sprachgeschichte nicht fortwährend klar vor Angen steht. Leider steht er aber selbst mit der Sprachgeschichte auf zu gespanntem Fuße, als daß seine Belehrungen, wie denn nun eigentlich das und jenes in unsrer Sprache entstanden nnd deshalb zu verstehen sei, viel Wert hätte. Wer so wie er Fremdwörter und Lehnwörter in einen Topf wirft, hat es natürlich auch leicht, mit der Miene des historisch gebildeten Mannes über die Bewegung gegen die Fremdwörter abzuurteilen; nur wer sich so wie er über den großen Unterschied der Lcbensbedingungen der gesprochnen Sprache und der Schriftsprache nicht klar geworden ist, kanu solche Zukunftsbilder entwerfen, wie es Eckstein am Schlüsse seines Buches thut. Sein Stil, besonders die Einleitungen seiner Kapitel, machen den Eindruck, als ob ein Redner in Hemdsärmeln vor versammeltem Publikum die Bühue bestiege, sich die Mauschetteu ansteckte und die Weste zuknöpfte und nun zu Plaudern anfinge. Soll dasvolkstümlich" sein?

Sehr wahr ist, wenn cmch nicht neu, was der Verfasser über den Betrieb der deutschen Sprachgeschichte nn unsern Gymnasien sagt; hübsch ist ein kleines Kapitel znr Geschichte unsers unbestimmten Artikels, auch das Kapitel über Fcirben- bezeichnnngen enthält allgemeine wertvolle Gesichtspunkte, im einzelnen freilich wieder manche Irrtümer.

schwarzes Bret

Wie Wiener Blätter berichten, hat ein jüdischer Wahlkandidat gegen die liberale Partei den Borwnrf erhoben, daß sie zu spät und nicht entschieden genug gegen den Antisemitismus aufgetreten sei, den» diese verwerfliche Bewegung habe ihren Ursprung inhöhern Regionen." Der Ansspruch läßt zivei Deutungen zu, ist aber in jedem Falle beachtenswert. Entweder hat der Redner unter denhöhern Regionen" sich und seinesgleichen verstanden, oder er sieht ein, das, die Bewegung gegen die Übermacht des Judentums nicht, wie vvn Semiten und Philosemiten beharrlich versichert wird, ihre Wnrzeln einzig in dem Neide und der Roheit niedrer Volksschichten hat. Einer bessern Einsicht begegnen wir hier also in jedem Falle, und es ist nur zu wünschen, daß sie die größte Verbreitung finde, vor allem in der Presse und damit durch die Presse in dem großen Teile des Pnbtiknms, das nur mit hoher Zeitungs­erlaubnis eine Meinung zu haben wagt. , , .