Völker und Räume
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oviel Berechtigung man auch den Klagen und Forderungen der Völker zusprechen muß, die unterdrückt sind oder sich verkürzt fühlen - welcher Deutsche hätte ohne Bewegung die Klageschriften der Balten oder der Siebenbürger Sachsen gelesen? —, so kann man doch das Gefühl nicht loswerden, daß die Nationalitätenfragen in dem politischen Denken der Zeitgenossen einen viel zu großen Raum einnehmen, und daß ihre Ansprüche andern Richtnngen der praktischen Politik gefährlich werden. Auch wir haben mit warmer Teilnahme die beredte Darstellung des Rückgangs der Deutschen in Österreich in Armand von Dum- reichers Buch „Südvstdeutsche Betrachtungen" gelesen/") Aber wenn uns auch das deutsche Herz abgesprochen werden sollte, so bekennen wir doch, das Buch mit der Empfindung weggelegt zu haben: Laß dich nicht von diesen Klagen hinreißen zu dem Glauben, für den Deutschen bestehe kein andres Interesse am alten Donaureich als das seiner Volksgenossen und nn seinen Volksgenossen. Die Habsburgische Monarchie ist eine politische Thatsache, deren 12000 Quadratmeilen und deren 43 Millionen Menschen ein Ganzes sind und vermutlich noch lange Zeit bleiben werden, ob sich nnn die 36 Prozent Deutschen uud die 23 Prozent Tschechen der im Reichsrat vcrtretnen Länder vertragen oder nicht, und ob das erstaunliche Übergewicht der 43 Prozent Magyaren in der ungarischen Reichshälste erhalten werden kann oder wieder abnimmt. Seitdem die politischen und sozialen Dammbrüche des Jahres 1848 die Nationalitäten- bewegnngen als Triebkräfte von teilweise überraschender Wirksamkeit haben fürchten oder schützen lehren, hat es immer Stimmen gegeben, die laut ver-
*) Vergl. die Besprechung dieser bedeutenden Schrift im Zsi. Hefte der vorjährigen Grenzboten.
Grenzbvten U 1894 1