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Ein Wort für die neue Kunst
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Gigerl

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Auf den übrigen Inhalt des obigen Artikels einzugehen, liegt für mich kein Anlaß vor, teils weil er zu wenig Sachliches bringt, teils weil er sich in Mahnungen und Prophezeinngen ergeht, die zu beachten oder nicht zu be­achten Sache jedes Lesers ist. Ich überlasse es ihm und seinen Gesinnungs­genossen gern, ihren Gläubigen zu der Überzeugung zu verhelfen, daß die Kar­toffelfelderlyrik, die Gemüseweibertragik und die Elegien der Netzeflickereien von Liebermann und Konsorten das höchste Ziel moderner Kunstbethätigung seien, und da er mit Wünschen und Hoffnungen nicht zurückhält, so wünsche und hoffe auch ich, daß sich das deutsche Volk ebenso wenig, wie es auf die Dauer ciuenNembrandt als Erzieher" ertragen hat, einen Liebermann oder Klinger als Erzieher aufhängen lassen werde. Besonders zuversichtlich hoffe ich das von den Lesern der Grenzboten, über derenStimmung und Gesinnung" mich ein Zeitraum von sechzehn Jahren, während dessen ich mich der Ehre der Mit- arbcitcrschaft an dieser Stelle zu erfreuen gehabt habe, hinlänglich unter­richtet hat.

Berlin

Adolf Rosenberg

Gigerl

für uusre Verwaltung die Umkehr zur Volkstümlichkeit, wenn auch uuter Preisgebung von etwas Vornehmheit, dringend ge­boten erscheine, wie es vor einiger Zeit in einem Aufsatz der grünen Blätter hieß, das wird jeder unterschreiben, der mit nicht gar zu blöden Augen in die ihn umgebende Welt hineinsieht. Aber warum denn nur für die Verwaltung, und warum bloß mit etwas" Vornehmheit? Vernünftigerweise sollte man meinen, daß die Ton­angeber in der sogenannten guten Gesellschaft mit ihrem ganzen Gefolge ans allen Zweigen der Beamtenwelt dreist den ganzen Plunder von Nornehm- thuerei von der Kravatte um ihren Hals bis zur Sohle unter ihren Füßen auf die Gasse werfen könnten, ohne nur im mindesten fürchten zu müssen, es möchte damit etwas von den Eigenschaften verloren gehen, die allein für ihre Brauchbarkeit im Dienste der Menschheit maßgebend sind. Vielleicht könnten sie ausdrücklich auch ein gutes Teil von dem, was sie auf Schulen und Universitäten gelernt haben, mit in den Kauf gebe«. Denn sie haben es doch nur in sich aufgenommen, ohne auch den Geist mit zu bekommen, aus dem es einst geboren wurde. Auf diesen allein kommt es aber an, denn nur er stellt Verbindung und Leben zwischen den Menschen her, während der bloße Buchstabe in den modernen Instruktionen und Verordnungen, gesetzlichen Grenzboten I 1894 81