Lin Wort für die neue Kunst
ie Grenzboten haben im 9. Heft nach längerer Pause wieder einmal einen Artikel gebracht, der die neue Kunstbewegung als eine Verirrung, ja als die Macheuschaft einer Clique darzustellen sucht. Soweit es sich dabei um den Streit innerhalb der Künstlerschaft Deutschlands handelt, fühlt sich der Schreiber dieser Zeilen nicht veranlaßt, das Wort zu ergreifen; die Jungen unter den Künstlern haben sich nachgerade daran gewöhnt, als vogelfrei behandelt zu werden: sie kümmern sich nicht um das Geschreibsel und schaffen — wenn auch nicht immer ruhig — weiter.*) Auf die Verunglimpfung derer aber, die als Nichtkünstler die Sache der neuen Kunst zu der ihrigen machen, näher einzugehen, widersteht ihm. Die Leser mögen sich selbst sagen, welche Bedeutung Ausführungen beizumesfen ist, die sichs angelegen sein lassen, allgemein geachtete und anerkannte Männer wie Woermann und Bode — die sind doch in erster Linie unter den Galeriedirektoren gemeint — dadurch in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, daß sie samt allen Vertretern der neuen Richtung in Gegensatz gebracht werden zu den „Kreisen des gebildeten Publikums," zu dessen „kunstfreundlicher Mehrheit" (als ob die Minderheit kunstfeindlich wäre) und zu den Kuustkreiseu (so steht es da, nicht etwa einzelnen Künstlerkreisen).**)
Hier soll somit nicht das Wort erbeten werden zu einer Entgegnuug auf jenen Artikel, soweit er sich als persönlicher Ausfluß der Stimmuug und Gesinnung seines Verfassers darstellt. Es ist auch, wie das vorliegende Bei-
Wir haben keinen Anstand genommen, den nachstehenden, dnrch den Aussatz unsers Freundes I)r, Rvsenberg veranlaßte» Bemerkungen, deren Verfasser ungenannt zu bleiben wünscht, Raum zu gewähren. Wir selbst stehen, wie unsre Leser wissen, auf dem entgegengesetzten Standpunkt und stimmen durchaus mit den Anschauungen Dr. Rosenbergs überein. Aber wir lassen in diesen Fragen gern anch einmal eine gegnerische Stimme zu Worte kommen, erstens damit uns nicht der Vorwnrf gemacht werden könne, wir suchten eine uns unbequeme oder von uns nicht geteilte Kunstanschnnuug zu „erdrücken," sodann um unsern Lesern Gelegenheit zu geben, die Gründe unsrer Gegner zu hören. D, R.
Bei diesen Anführungen ans dem angegriffenen Artikel hat der Verfasser das Wort „Dresdner" weggelassen. Es handelt sich um Vorgänge in Dresden, was aber hat Bode mit den Ankäufen für die Dresdner Galerie zu thun? D. R.
Grenzboten I 1894 80