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Sir Joshua Reynolds und unsre moderne Kunstanschauung :
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Für Freunde zeitgenössischer Litteratur

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tung wohlwollend entgegenkommt. Wir sind gerade heute weiter als je von einer Einheitlichkeit des künstlerischen Geschmacks entfernt.

Daß es auf die Dauer so nicht weiter gehen kann, ist mir seit langer Zeit klar, und ich habe in meinerkünstlerischen Erziehung der deutschen Jugend" wenigstens den einen Weg zur Entwicklung einer nationalen Kunstblüte näher zu bezeichnen gesucht. Ich halte es in der That für eine der wichtigsten Auf­gaben der Erziehung, wenigstens unter den Gebildeten jene Einheitlichkeit des Geschmacks einigermaßen herzustellen, die die Bedingung jeder künstlerischen Blüte ist, und die auch in Frankreich und England, im Gegensatz zu Deutsch­land, thatsachlich besteht. In diesem Sinne sind die Ausführungen von Reynolds über die Entstehung und Berechtigung des Geschmacks im höchsten Grade be­achtenswert. Ein zweites Mittel, diese Aufgabe zu erfüllen, wird die Ausbil­dung einer empirischen Ästhetik sein, die uns ebenfalls noch fehlt, und deren Mangel sich bei unsern Kunsturteilen aus Schritt und Tritt geltend macht. Auch für sie enthalten die Reden des englischen Malers wichtiges Material, aber freilich, wie ich nachgewiesen zu haben glaube, ein Material, das nur mit Vorsicht und unter gewissen Einschränkungen benutzt werden darf.

Für Freunde zeitgenössischer Litteratur

anchmal ist es gut, eine Rezension auch iu der Form als das zu geben, was sie eigentlich immer sein sollte, als Bericht über ein Erlebnis. Wenigstens entkleidet man so sein Urteil von vornherein des olympischen Scheins und bringt vielleicht auch Herren wie die, mit denen ich mich hier beschäftigen will, zu der Überzeugung, daß da nicht gerade einer von deroberflächlichen, unselb­ständigen Tageskritik" rede, über die sie sich empören, auch keiner von jenen »Zünftigen," die jeden Dichter fein etikettiren und alles, was sichmit Idealismus und Klassizität nicht zu vertragen scheint, srischweg in den großen und nur mit heimlichem Schaudern betrachteten Kasten werfen," auf dem das Wort Realismus neben drei Kreuzen prangt; vielleicht bringt man so auch ihnen den Eindruck bei, der verachteteDurchschnittsmensch" sei eben doch ein Mensch und dürfe sich von Zeit zu Zeit auf diese Thatsache besinnen, dürfe mit seinem Durchschnittsgefühl für ordentlichen Stil und seiner Durchschnitts­abneigung gegen hohles und geschmackloses Geschrei in aller Bescheidenheit sagen, wie es ihm manchen litterarischen Erscheinungen gegenüber ums Herz