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^ir Joshua Reynolds
und unsre moderne Runstcmschammg
Von Konrad Lange (Schluß)
ührend die Plastik nach Reynolds nur einen Stil, nämlich den der Antike, nachzuahmen hat, giebt es in der Malerei allerdings mehrere Stilarten. Aber diese Stilarten sind in seinen Augen keineswegs gleichberechtigt, sondern an Wert sehr von einander verschieden. Die erste Stelle nimmt der große und erhabne Stil ein, wie ihn Michelangelo und Nafael ausgebildet haben. Charakteristisch für ihn ist, abgesehen von der Jdealisirung der Natur, die Betonung des Umrisses, der großen und einfachen Form. An zweiter Stelle steht der „dekorative" oder „ornamentale" oder „anmutige" Stil, dessen Hauptvertreter die Venezianer sind. Reynolds ist zwar nicht so einseitig, ihn für schlechthin unberechtigt zu erklären, im Gegenteil, er giebt zu, daß die thatsächlichen Aufgaben, die der Malerei gestellt werden, seine Anwendung iu vielen Fällen fordern, aber er stellt ihn doch eine Stufe tiefer als den Michelangelos. Selbst an Tizian tadelt er, daß er nicht die Fähigkeit besessen habe, „die Gestalt seines Modells durch irgend einen Schönheitsbegriff seines eignen Geistes (dz? »n/ g'Msral icl«zg, c>l vsant^ in Kis ovn inincl) zu vervollkommnen. So groß und allgemein er die Farbengebung hielt, so kleinlich und zerstückelt war er in der Zeichnung. Iu dem eineu war er ein Genie, iu dem andern nicht viel mehr als ein Kopist." Bei Tintoretto und Paolo Veronese spricht er gar von den „uuinteressanteu Gegenständen ihrer Erfindung oder mindestens von der uuiuteresscmteu Art, wie sie behandelt sind," von dein „Gesuchten ihrer Komposition," von den „unnatürlichen und erkünstelten Gegensätzen sowohl der Figuren als in Licht und Schatten," der „niedrigen Wirkung, die das Auseinanderhalteu der Stoffe ihreu Bildcru giebt." Demi nur der „niedrigere Stil" drücke die Verschiedenheit des Materials aus. Dem Historienmaler sei die Kleidung weder Wolle noch Leinen noch Seide, Atlas oder Sammt, es sei Draperie, nichts weiter. Also selbst auf diese Dinge wird die Forderung des Gattungstypns ausgedehnt. Nicht der bestimmte Stoff, der dem Künstler zur Nachahmung vorliegt, sondern der Stoff an sich, der all-