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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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züglich in der Musik, gar nicht so sehr auf das Nationale als auf das Mensch­liche an? und es sei z. B. dieZauberflöte" mit ihren Jdealgcstalten des weisen und edeln Mannes, des feurigen Jünglings, der unschuldig liebenden Juugfrau ei» im höchsten Sinne deutsches Werk, weil iu ihm der deutsche Geist das wahr­haft Menschliche zum schönsten Ausdruck gebracht habe? Man könnte sich bei solcher Ketzerei wohl auf eine Autorität berufeu, die etwas gilt, uämlich auf Goethe; aber der ist ja iu Sachen des Patriotismus für inkompetent erklärt, und freilich, wenn in dramatischen Fragen nicht der ästhetische, sondern der patriotische Gesichtspunkt maßgebend ist, so hat darauf Goethe nichts mehr zu sagen! Dann müssen auch die Hellenen des klassischen Altertums (die man bisher doch immer noch für leid­lich gute Patrioten gehalten hat) beschämt zurücktreten mit ihrer Meinung, die aus nationalem Geiste erzeugte Behandlung des Menschlichen nud Schönen mache das Kunstwerk zu einem nationalen Werke, nicht der mit lanten Worten prahlende Patriotismus. Nuu, es ist nur gut, daß uus uusrc Betrachtung über Goethe uud die Hellenen, diese schlechten Patrioten, die Auge» geöffnet hat, und daß wir einen höhern Maßstab für nationale Kunstwerke haben! Wenn es trotzdem noch unklare Seelen geben sollte, die zweifeln, ob das wirklich der höchste Maßstab sei, so werden ihnen hoffentlich die Augen vollends aufgehen (uud die Ohren dazu!), wenn sie erst die zukünftige national deutsche Oper zu hören bekommen.

Nur ein leises Bedenken bezüglich der musikalischen Ausführung steigt uns dabei auf. Es mag ja Herrn Leoneavallo trefflich gelingen, für die patriotischen Ideen, sür die politischen Konflikte, für die monarchischen Autoritätsbestrebnngen, um die es sich iu seinem Textbuch handeln wird, den musikalischen Ausdruck zu fiudeu. Aber bei den Stücken mit Berliner Lokalfarbe gehört es doch unerläßlich dazu, daß in berlinischem Dialekt (um nicht zu sage» Jargvu) geredet, in diesem Falle also gesungen wird. Sollte uun wohl solch eine berlinische Ccmtilene sehr lieblich kliugeu? Für ei» Berliner Ohr vielleicht! Aber ob daraus nicht dem ita­lienischen Komponisten, der bisher nur die Sprache seiuer Heimat, die gesanglichste Sprache der Welt, in Musik zu setzen gehabt hat, ungeahnte Schwierigkeiten er­wachsen werden? Armer Leoneavallo! Man wandelt nicht ungestraft in kaiserlichen Hvflogen.

Schwarzes Bret

Einer der Leibschriftsteller der Deutschen Rundschau, Herr Professor Paul Giißfeldt, hat vor einigen Monaten abermals die Beschreibung einer seiner Alpenklettereien ausgehen lassen, die er bekanntlich in der Absicht unternimmt, sichintensivste Seelenregungen" zuer­kämpfen." Daran ist nun nichts verwunderliches. Es ist auch die alte Schablone festgehalten: der Leser hat aller paar Zeilen den Mut, die Entschlossenheit, die Seelenerhebnug,nicht uur die Kraft, sondern auch Überlegung, Geschicklichkeit und vor allem Geduld" des Verfassers zu bewundern. Manche Leser werden sich jn auch bei der Bewunderung dieser Knicfertigkeit ebenso wohl fühlen, als ob sie einem Seiltänzer zusähen, und dem Moutblauc vou ferue dankbar dafür sein, daß er ihnen vermittelst des Seelenspiegels des Herrn Professors einen so angenehm grusligen Reflex zukommen läßi. Aber die Bergfexerei in Ehren, eine Stelle mochten wir doch etwas tiefer hängen. In der Einleitung erzählt der Verfasser, daß er Seiner