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Schwarzes Bret
An die Spitze der 926 hier gedruckten Distichen ist als Hauptstock die große Geistsche Neinschrift gestellt worden und ihr angefügt, was sich auf losen Blättern noch hat auftreiben lassen und was außerdem noch im Almanach steht, also zuletzt gedichtet worden sein muß. Reiche Anmerkungen, natürlich mit Verwertung der fleißigen Forschungen von Boas, sorgen nicht nur für das Verständnis der vielen Persönlichen Beziehungen, sondern verfolgen auch die Gedanken der Genien bei ihren Schöpfern weiter, und eine vollständige Sammlung späterer Lesarten befriedigt auch das philologische Bedürfnis.
Die Leser der Grenzboten werden sich die reiche Tafel selbst nicht entgehen lassen (der Band kostet 1 Mark 30 Pfennige), aber einige Bissen zum Kosten sollen ihnen doch hier vorgesetzt werden.
Was ist das schwerste von allem? Was dir das leichteste dünket. Mit den Augen zu sehn, was vor den Augen dir liegt.
Sorgend bewacht der Verstand des Wissens dürftigen Vorrat,
Nur zu erhalten ist er, nicht zu erobern geschickt. Darum haßt er dich ewig, Genie! An die neue Erwerbung
Wagst du den alten, du wagst kühnlich den ganzen Besitz.
Humanität
Seele legt sie auch in den Genuß, noch Geist ins Bedürfnis, Grazie selbst in die Kraft, noch in die Hoheit ein Herz.
Architektur
Unter dem leichten Geschlecht erscheinst du schwer und bedächtig, Aber zu Regel und Zucht wiukst du die Schwestern zurück.
Vergebene Lehre „Wiederholt euch doch nicht!" Ja! hundertmal sollt ihr dasselbe Hören, da ihr doch auch ewig eiu Einerlei seid.
Schwarzes Bret
Ju einem Aufsatz über „Verismus in der Musik" (Westermanns Monatshefte 1894, S. 462) behauptet Herr Bernhard Schulz: „Dagegen warfen Caccini, Peri und Cavalieri in ihreu dramatischen Arbeiten die Mehrstimmigkeit über Bord."
Wir bchaupteu, daß Herr Scholz keine dieser Arbeiten gesehen hat.
Einen merkwürdlgen Veitrag zum pcipiernen Stil liefert folgender Satz in einem neuen Roman von Ossip Schubiu (in Westermanns Monatsheften 1894, S. S39): „Er (der Held des Romans) trat höflich auf Miß Sinclair zu, betrachtete mit Jnteresse(?) ihr Aquarell und erkundigte sich so ungefähr nach der Gräfin."
Ein Fragezeichen einer Nachricht oder einem Urteil beizufügen, hat einen Sinn, wenn der, der das Zeichen beifügt, verschieden ist von dem Gewährsmann. Hier bezweifelt die Schriftstellerin die Wahrheit ihrer eignen Erfindung. Das Fragezeichen nach Interesse soll soviel bedeuten als „mit scheinbarem Interesse." Ju dieser Weise eiu Wort durch ein Zeichen zu ersetzen ist in hohem Grade geschmacklos. Aber das Zeichen ist ein Beweis vou der Bescheidenheit der Schriftstellerin. Warum? Sie deukt nicht daran, daß es jemand einfallen konnte, ihre Erzählung — vorzulesen!
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr, Wilh. Grunow iu Leipzig — Druck von Carl Marquart in Leipzig