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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Vor andern gebahrt haben. Selbst der an sich ganz richtig empfundnen, aller Menschenfurcht entkleideten Apostelkühnheit des Athanasius ist, wie er Julian gegenübertritt, ein schauspielerisches Element der Herausforderung beigemischt, das nicht zu dem andern zu stimmen scheint. Bis in die Schilderungen, bis in das Kommen und Gehen der Gestalten hinein empfinden wir etwas unlebendiges, gewaltsam angespanntes; es ist, als ob Dahn den großen Schwierigkeiten der Aufgabe, die in der Ferne der dargestellten Zeit und Kultur liegen, durch einen überall untergeschnallten Kothurn zu begegnen suchte. Jedesmal, wenn uns ein Hauch unmittelbarer Natur labt — und das geschieht in der über Jahre hingedehnten Fülle der Begebenheiten, wenn auch nicht häufig, so doch hie und da —, kommt das Bewußtsein, welche Riesenaufgabe es ist, ein überbildetes, der tiefsinnigen Grübelei und der hohlen Phrase hüben und drüben anheimgefallnes Zeitalter des Scheins entkleiden, in seiner Wahrheit darstellen zu sollen. Ein viel robusterer uud tieferer Dichter als Dahn, Charles Kingsley, ist in seiner „Hhpatia" dieser Gefahr des Scheins nicht ganz entgangen, aber der Verfasser des „Julian" ist ihr sozusagen in den Nachen gesprungen.
Wir könnten noch lange fortfahren, würden aber schließlich immer bei demselben Ergebnis anlangen. Wo soll Hoffnung für den historischen Roman, für seine allein berechtigte Geltung als einer dichterischen Gattung herkommen, wenn die, die sich als seine Meister ehren lassen, von vornherein die besten Wirkungen, die möglich sind, gar nicht erstreben nnd sich mit dem Lobe begnügen, daß sie Dinge verständlich oder ziemlich verständlich gemacht haben, die mit andern Mitteln als poetischen eben auch uud vielleicht besser verdeutlicht werden können? Was soll werden, wenn das Publikum an diesen Schaustücken übersättigt ist und schließlich auch Schöpfungen, denen ein festerer Kern nnd ein stärkerer poetischer Trieb innewohnt, in die gleiche Verurteilung einschließt? Einstweilen und so lange sich nicht andre Werke siegreich über diese Art von geschichtlichen Romanen erheben, bleibt das Wort des Propheten in Kraft: „Seine Widersacher schweben empor, seinen Feinden gehets wohl!"
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Unsre Kolonien. Gäbe es im deutschen Reich eine geschichtswissenschaftliche Gesellschaft, die über neue Preisaufgaben in Verlegenheit wäre, so könnte man ihr folgende vorschlagen: Wie lange pflegt die Begeisterung für einen neuen Gedanken, der das deutsche Volk erfüllt, vorzuhalten?