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Schwarzes Bret
Die Verfügung beginnt: „Die Strafen, welche die Schulen verpflichtet sind, über Teilnehmer an Verbindungen zu verhängen, treffen in gleicher oder größerer Schwere die Eltern als die Schüler selbst." Jedes Wort ein Goldstück! Wenn der preußische Kultusminister einen Mustersatz hätte bauen wollen, um den Lehrer in Quarta daran doziren zu lassen, daß man mit dem Nelativum „welcher" hübsch zu Haus bleiben soll, namentlich wenn man vor „daß das" nicht zurückschreckt, daß man Sätze nicht bis zur Siuulosigkeit in einander schachteln darf, und daß man das garstige Zeugma fliehen muß, dauu kouute er keinen bessern finden. Was sind das für Strafen, „welche die Schulen verpflichtet sind"? Was heißt „treffen in gleicher oder größerer Schwere die Eltern als (!) die Schüler selbst"?
Eins ist gewiß. Dieser Erlaß trifft „in gleicher oder größerer Schwere" alle, die bisher gehofft und geglaubt haben, daß sich die höchste Uuterrichtsverwal- tuug im Staate verpflichtet fühlen müsse, ihre Verfügungen so abzufassen, daß sie keine Heiterkeit hervorrufen.
Schwarzes Bret
100000 Mark hat ein Dr. Ad. Düsterhoff der Berliner Universität zu Stipendienzwecken hinterlassen — so melden die Zeltungen. Wann wird man endlich einmal aufhören, aus schönster Menschenliebe die Zahl der mittellosen nnd überschüssigen Leute mit akademischer Bildung vermehren zu helfen? Man ahme doch lieber die Amerikaner nach, schenke Teleskope und andre kostbare Instrumente u. s. w. und helfe so dem deutschen Volke die Kosten seiner 20'/, Universitäten tragen!
Die Masse muß es bringen! Das ist, wie es scheint, der Grundsatz eines Herrn Dr. D. Scml, der den achtzigsten Geburtstag des Philosophen Eduard Zeller nicht weniger als dreimal „würdigt" uud — verwertet: in der Frankfurter Zeitung vom 22. Januar, in Nummer 13 von Über Land und Meer uud endlich im Febrnarhaft der Deutschen Rundschau. Eine „populäre" Darstellung für ein Familienblatt, eine „geistreiche" fürs „Feuilleton," eine „wissenschaftliche" für eine Zeitschrift höherer Gattnng — nun noch eine „pädagogische" für kleine Kinder, nnd die Gedenkblatlerfabrik ist fertig.
In einem vor kurzem erschienenen Buche von Ewald Müller: Das Wendentnm in der Niederlausitz (Kvttbus, Differt, 1894) ist eiu Kapitel überschrieben: Die Bergangnahme des Wendentums.
Vergaugnahme! Hinter welchem Kanzleiofeu mag dieses Küchlein ausgebrütet worden sein?
Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig — Druck von Carl Marquart in Leipzig