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Vom Hexentanzplatz der neuen deutschen Malerei
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Vom Hexentanzplatz der neuen deutschen Malerei

von Adolf Rosenberg

er sich von Anfang an gegen die neue Bewegung in der deutschen Kunst, insbesondre der Malerei, ablehnend vder auch nur ab­wartend verhalten hat, der hat schon heute, nach den Ereignissen des letzten Jahres, reichlich Ursache, sich seiner Vorsicht zu freuen. Die aber, die, wie der Verfasser dieser Zeilen, einige Zeit ge­schwiegen und der Entwicklung der Dinge in froher Hoffnung geharrt habeu. sind bitter getäuscht worden. Von allen Seiten kam der Ruf:Schüttet das Kind nicht mit dem Bade aus! Gebt den Jungen Zeit und Raum, sich zu ent­wickeln! Schlagt sie nicht gleich auf die Köpfe, wenn ihnen der erste, zweite und dritte Wurf nicht gelingt!" Der Rufer im Streit wurdeu mehr und mehr. An allen Ecken lind Enden tauchten in der PresseKunstschriftsteller" auf, die für den neuen Kurs in der Malerei ihre Lanze einlegten und ihren Lesern weismachen wollten, daß es auf den sachlichen Inhalt, den Gedankengehalt und die formale Durchbildung und Abrundung eines Kunstwerks ganz und gar nicht mehr ankomme, sondern nur auf das Wie, auf die malerischen Absichten des Künstlers, und daß es die Pflicht eines jeden sei, sich in diese Absichten hineinzudenken und sie um jeden Preis, selbst mit Aufopferung der eignen Ver­minst, verstehe:, zu lernen. Woher sind diese Kunstschriftsteller, diese Kritiker und Pauegyriker mit einem male gekommen? fragte sich mancher Bedächtige, und wenn er sich die Mühe nahm, die litterarischen und sonstigen Personal­akten des einen und des andern durchzusehen, fand er meist einen wunden Punkt. Der eine hatte nnter der Herrschaft des alten Kurses mit seinem schriftstellerischen Talent nicht recht durchdringen können, weil er überlegnere Geister fand, die mehr gelernt und gesehen hatten, und die auch mehr wußten. Also slugs ins Lager der Moderneu, wo niemand etwas zu wissen brauchte, wo jeder, der das Alte verneinte, offne Arme sah, und der radikalste Schreier gerade als das geeignetste Sprachorgan der Modernen erschien, die selber nichts gelernt hatten und auch nichts lernen wollten! Ein andrer von den littera­rischen Vorkämpfern der neuen Richtung hatte einmal einen Strauß mit einer Jury vder einer Künstlerkorporation gehabt, wobei er den Kürzern gezogen