396
haben, ja nicht einmal an einem Tische essen. Es entspricht nur einem auch heute noch nicht ausgestvrbnen Geschmack, wenn gerade so ein guter Tropf in seiner Dummheit seinem Herrn einen recht schlechten Dienst erMeisen und arg hineinfallen muß, wie Harpax im „Pseudolus."
Herr von Müller und ein Hohenzollerndrama
in witziger Berliner Kaufmann soll einmal gewettet haben, er wolle mit drei Worten aus fünfzig Leuten zugleich dieselbe Frage herauslocken. Darauf sei er in eine große Gesellschaft hastig mit dem Rufe hereingestürzt: Meyer ist pleite! worauf im Chorus die Frage erschollen sei: Welcher Meyer? So würde die bloße Überschrift unsers Aufsatzes, da von dein zahllosen Geschlecht derer Müller mindestens einige Hundert geadelt worden sind, wahrscheinlich zahlreiche unsrer Leser zu der Frage: „Welcher Herr von Müller?" veranlassen. Darum wollen wir lieber gleich sagen, daß Herr von Müller, Herr Erasmus von Müller der passive Held eines neuen Romans von Ernst Wiehert ist (Leipzig, Karl Neißner) und ehe er den Entschluß faßte, seine sauer erwvrbnen Reichtümer zum guten Teil in einem großen Güterkomplex anzulegen, Grvßkaufmann „in" Kaffee und irgend einem beliebten und weit verbreiteten Kaffeesurrogat gewesen ist. Er hat in zweiter Ehe ein armes Freifräulein von Dietenbach geheiratet, die es widersinnig findet, daß ein so schönes Millionenvermvgen bürgerlich bleiben soll, während es von armem Adel im Lande wimmelt. Sie hat es demgemäß durchgesetzt, daß Müller sein Geschäft dem bürgerlich ver- bliebnen ältesten Sohne abgetreten hat, sich als Herr von Müller auf Steinhausen, Arnswalde, Prvckelwitz, Ebenau u. f. w. niedergelasfen hat und sich nun in den Kreisen der Großgrundbesitzer heimisch zu machen sucht. Da er kein gewandt zudringlicher Jude, sondern ein steifnackiger Norddeutscher ist, so gelingt ihm das, trotz der ehrgeizigen und klugen Frau, ziemlich schwer. Immerhin hat der zweite Sohn Leopold Aufnahme als Leutnant in einem Gardekavallerieregiment gefunden, die Tochter, Fräulein Renate von Müller, hat sich mit Komtesse Helene von Wiesel, der Grafentvchter auf der benachbarten Herrschast Trumpeu, befreundet, der fünfjährige Sohn aus zweiter Ehe, Dagobert, wird durchaus zum künftigen Majoratsherrn und Baron Müller- Dietcnbach oder Müller-Steinhus erzogen, obwohl vor der Hand noch kein Majorat da ist. Die Stiftung eines großen Fideikommisses liegt der cner-