Die Landarbeiterfrage in Mecklenburg
nter einsichtigen Leuten ist kein Zweifel mehr darüber, daß eine der wichtigsten sozialen Fragen der Gegenwart die Landarbeiterfrage ist, und daß von ihrer Lösung die gedeihliche Zukunft der deutschen Landwirtschaft viel mehr abhängt, als von der Annahme oder Verwerfung des russischen Handelsvertrags, der fast allein die Kosten der Agitation des Bundes der Landwirte tragen muß. Die Landarbeiterfrage drückt am meisten die Gutsbesitzer iu den ostelbischen Gebieten des deutschen Reichs, weil dort der Großgrundbesitz vorherrscht. Wer zum erstenmale nach Mecklenburg kommt oder sich mit dessen Zuständen eingehender beschäftigt, dem fällt vor allem die große Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei den Neichstagswahlen auf., Mecklenburg ist ein vorwiegend ackerbautreibendes Land und hat nur vier größere Städte mit über 10000 Einwohnern (Rostock mit 40000, Schwerin mit 32000, Wismar mit 17000 und Güstrow mit 14000 Einwohnern), und auch in diesen Städten wird viel Landwirtschaft getrieben, während sich die Industrie noch in den Anfängen befindet. Es kann also von einer eigentlichen Fabrikbevölkerung nicht die Rede sein. Genauere Untersuchungen ergeben, daß ungefähr ein Drittel der sozialdemolmtischen Stimmen auf dem Lande aufgebracht wird.*) Wer giebt diese Stimmen ab?
Nach der Veröffentlichung des statistischen Amtes verteilten sich die bei der Hauptwahl von 1893 in Mecklenburg abgegebnen giltigen Stimmen folgendermaßen auf die Parteien:
Mecklenburg- Mecklenburg- Schwerin Strelitz
Deutschkonservative 36701 8749
Sozialdemokraten . , , , - - - 28930 3300
Freisinnige Volkspartei..... 13404
Freisinnige Vereinigung , - > - 10067 4332 Grenzboten I 1894 47