Das Ergebnis der Börsenenquete
von G. Bähr
m Herbst 1891 hatten die rasch auf einander folgenden Zusammenbrüche mehrerer Bankhäuser, bei denen viele Menschen ihr Vermögen verloren, in weiten Kreisen große Entrüstung hervorgerufen. Der Hauptgrund jener schmählichen Borgänge lag darin, daß sich die Inhaber der Geschäfte dem Börsenspiel hingegeben hatten. Man verlangte allgemein, daß diesem Unwesen endlich gesteuert werden mochte. Dies gab Veranlassung, daß der Reichskanzler eine Kommission von achtnndzwanzig erleuchteten Männern berief, die eine Enquete über die gesamten Börsenverhültnisse veranstalten sollte.
Die Kommission hat zunächst 115 Sachverständige vernommen, deren Aussagen in vier starken Bänden gesammelt vorliegen. Ein Anlagenband umfaßt das sonstige zusammengebrachte Material. Die Kommission hat dann einen umfassenden Bericht erstattet, der auch durch den Staatsanzeiger veröffentlicht worden ist, worin sie eine Reihe sormulirter Vorschläge macht. Diesen Vorschlägen ist eine ausführliche Begründung beigegcben.
Wie die Begründung crgiebt, hat bei den Hauptpunkten der Kommissions- vvrschläge keiue Stimmeneinhelligkeit geherrscht, sondern es hat der Mehrheit eine Minderheit gegenübergestanden, die andrer Meinung gcwescu ist. Es ist von großem Interesse, daß der Bericht auch die Gründe, mit denen diese Minderheit ihre Ansichten verfocht, wiedergiebt. Es wird dadurch dein Leser wesentlich erleichtert, sich ein selbständiges Urteil über die Fragen zu bilden.
Die von der Kommission aufgestellten Vorschläge haben zunächst die rechtliche Stellung und die Organisation der Börse, ferner das Emissionswesen und die Zulassung von Papieren zum Handel und zur Notiz, sodann am Schluß
Grenzboten I 1894 41