318
Litteratur
Frohbesitz im Lebensabendbrvt" (!) wünscht er sich in I, 31, und den Frühling schildert er in I, 4 folgendermaßen: „Die Almenglocken klingen, der Pflüger mißt(!) (mistet?) das Feld, jetzt werden die Triften nimmer mit Silberreif bestellt."
Ja, so ist Herr Stegemann. Nichts ist ihm heilig, nicht einmal die Ode, von der Julius Cäsar Scaliger sagte, er wolle lieber ihr Verfasser sein, als König von Arragouieu. Auch dieser hat er, wie er in der Vorrede sagt, „neue Lichter aufgesetzt." Aber sie leuchten nicht, diese neuen Lichter, sondern sie „vertrovfen müd." Es müßte denn gerade das ein neues Licht sein: „Heute bog in heißem Werben einer andern ich das Knie." Es ist aber doch sehr unfein, einer jungen Dame das Knie zu „biegen," nnd eine Jede laßt sich das auch nicht gefallen. Schrecklich schön ist der letzte Vers. Er besteht „zu Nutz und Frommen der Poesie" aus lauter einsilbigen Wörtern: „Dir ich all mein Hab und Gut" —- so heißt er!
Doch Ende gut, alles gut. Ein Gedicht hat es Herrn Stegemann besonders angethan; aber er fand es, wie er hervorhebt, so unmodern an Inhalt und Form, besonders wegen des schrecklichen Namens Neobnle, daß er es vollständig „umdichten" mußte. Hier ist es:
Ich sitze und spinne,
Die Liebe lockt.
Ich träume und sinne.
Die Spule stockt.
Nun reißt mir das Mdchen,
Der Oheim brummt,
Ich armes Mädchen
Bin schüchtern verstummt.
Und in meine Träume
Wie eitel Spott
Leis rauschen die Bäume:
Grüß Gott, grüß Gott!
So sprach er vor Zeiten
Mein Liebster gut,
Als heiß wir uns freiten
In nächtlicher Hut.
Er ist im Walde
Ein Jägersmann;
Die stürzende Halde
Klimmt er hiuau.
Und sitz ich in Schmerzen
Und klingt mir das Ohr,
So möcht ich thu herzen
Wie niemals zuvor.
Wir machen es nicht so, wie „der Liebste gut," der. als er „heiß" freite, nichts passenderes zu sagen wußte als: „Grüß Gott, grüß Gott!" Wir sagen nicht „Grüß Gott!" zu dem Büchlein, sondern Ade! Ade! auf Nimmerwiedersehn!
Litteratur
Die Philosophie des Metaphorischen. Ju Grundlinien dargestellt von Alfred Biese. Hamburg und Leipzig, Leopold Boß, 18W
Der Verfasser dieses wertvollen Buches versteht unter dem Metaphorischen die Einheit, die hinter Körper und Geist steht, nnd die verwirklicht ist im Menschen,