Kotzebue
as ist uns heutzutage noch Kotzebue? Diese Frage tritt neuerdings an den Deutschen heran, da es ein Franzose unternommen hat, den einstigen Beherrscher der dentschen Bühne mit dem Wohlwollen, das er aus dem Gefühl der Überlegenheit der eignen Nation über die schwerfälligen, für das elegante, leichte Lustspiel fast unfähigen Deutschen schöpfen zu dürfen glaubt, auf seine litterargeschicht- liche Bedeutung zu prüfen nnd dabei, von einem schiefen Schlagwort Gott- schalls verführt, zu dein Ergebnis kommt, in Kotzebue den deutschen Mvlivre zu finden. Nicht bloß eine flüchtige Causerie ist die Untersuchung von Charles Rabcmy,") sondern ein umsangreiches Buch, wie es kein Deutscher dem großen Vielschreiber gewidmet hat. Selbst der Sohn des Dichters, der eine Ehrenrettung seines Vaters versuchte, wagte nicht, für seine pietätvolle, aber einseitige Publikation"") ein allgemeines Interesse vorauszusetzen.
Haben nun die Deutschen hier wirklich eiuc Ehrenschuld abzutragen? Oder ist ihre setzige Geringschätzung des einst Vergötterten berechtigt? Das hohe Lob Rabanhs legt den Wunsch nahe, sich darüber Klarheit zu verschaffen. Prüft man aber zu diesem Zweck seine Darstellung nach, so ergiebt sich ein ganz andres Bild vou Kotzebues gesamter Persönlichkeit und namentlich von seiner dichterischen Bedeutung, als uns der Franzose vorspiegeln möchte.
Am 3. Mai 1761 in Weimar geboren, verlor Kotzebue schon früh seinen Bater und wurde daher von seiner Mutter und seinem Oheim, dem bekannten Märchenerzähler Musäus, mit Sorgfalt, aber auch mit großer Schwäche erzogen. Der geweckte, frühreife Knabe erhielt reiche Anregungen durch die Vor-
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August von Kotzebue. Urteile der Zeitgenossen nnd der Gegenwart. Zusammengestellt von W. von Kotzebue. Dresden, 1881. Außer diesem Buche, das auch die Unter- suchuug des Freiherrn Woldemar von Biedermann über Goethes Verhältnis zu Kotzebue enthält, und den Schriften, die von Zeitgenosse» des Dichters nie ganz srei von Parteilichkeit veröffentlicht wurden, vergl. noch die Abhandlungen von Max Koch in Ersch und Grubers Encyklopädie, von Adolf Haussen in Kürschners Deutscher Natiouallitteratur und L. Geigers Charakteristik in der Allgemeinen deutschen Biographie.