284
bald dreimal so stark sein wird, das uns die Lebensluft abzuschneiden vermag, selbst wenu es uns die Gnade erweist, uns nicht zu annektiren, daß wir also nebeil einen: solchen Nachbar nichts mehr zu bedeuten haben, weun er uns in der Kultur gleichsteht, das leuchtet doch ein.
Wer meine Fernsichten utopisch und wahnwitzig, vielleicht frevelhaft und gefährlich nennt, den möchte ich doch fragen, ob das von einem winzigen Stamme gegründete Nömerreich, ob das indische Kolonialreich Englands, ob das russische Zarentnm selbst Träume eines Wahnsinnigen oder Wirklichkeit sind? Denn was ist dieses Zarentum anders als die Herrschaft einer von einem deutschen Stäbe unterstützten deutschen Dynastie über ein Konglomerat von Barbarenvölkern? Und ist es etwa ein Tranm, daß die Hohenzollern, nur auf die Mark Brandenburg gestützt, nach und nach die nördliche Hälfte Deutschlands zusammenerobert haben? Dürfen nur Dynastien und kleine Stämme große Reiche gründen, während ein großes gebildetes Volk dazn verurteilt bleiben muß, sich selber aufzuzehren? Wann werden wir endlich einmal den Mut haben, statt der dynastischen und der sogenannten nationalen Politik Volkspolitik zu treiben und im Sinne unsrer Väter von 1813 weiterzuleben? Der silberne König") — ja der spiegelt sich glitzernd und glänzend im Zeitenstrome, und der eherne klirrt und rasselt mit seinen Waffen; aber der goldne liegt noch in dem Dunkel alter Scharteken vergraben, und der Jüngling, der 1813, 1848 und 1870 ans Augenblicke zum Leben erwacht war, verfällt täglich mehr der Totenstarre.
Das preußische Landrecht
Zu seinem hundertjährigen Bestehen
von Lrnst Uayser (Schlus;)
bwohl Carmer und Svarez noch in den Lehren der Naturrechts- schnle befangen waren, deren Ausgangspunkt es bildete, ein Recht auf vernunftgemäßer Grundlage a, priori herzustellen, so erwies sich doch die Macht der Verhältnisse stärker als ihr philosophisches Bewußtsein. Beide Männer standen bereits am Ausgange der natnrrechtlichen Richtung; sie waren zu selbständig in ihren Urteilen, um blindlings einer Lehre, die sie durch ihre Erfahrungen überholt hatten, zu folgen.
*) In Goethes M-irchen, siehe Heft l der Grenzbotcn,