Beitrag 
Die Weltanschauung der Romantik und Friedrich Hebbel :
(Schluß)
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

Die Weltanschauung der Romantik

und Friedrich Hebbel

vo» z, Lolli»

(Schluß)

ebbels erstes Drama ist die Judith (1838/39). Es behandelt die aus der Bibel allbekannte That der Judith. Nns gehe» hier nur die beiden Gestalten der Judith und des Holvferues au. Holvferues ist ein Geschöpf des Titanismus in dem Dichter; aber er ist ein Titane der Reflexiv». In ungeheuern Gedanke», in seltsame» Grübeleien erschließt sich sein Inneres, nicht in de» überschä»- mcndc» Ströme» der Empfindung. Die Art, wie der Dichter sich diesen Cha­rakter exponire» läßt, erinnert durchaus an Büchners Danton, der ihm, während er an der Judith schrieb, iu die Hände gefallen war. Die Grundlage des selbstbewußten Trotzes in seinem Helden ist dessen gewaltige Kraft. Sie giebt ihm das Bewußtsein seiner Überlegenheit, aber sie macht ihn auch znm ein­samen Manne. Denn alles weicht vor ihm zurück, weil er stets bereit ist, alles, was er nicht zn achten vermag, deshalb zu vernichten. Darin ist er wieder mit Gutzkvws Nero (1834) verwandt.Kraft! Kraft! ruft Holv­ferues aus, das ists. Er kvmme, der sich mir entgegenstellt, der mich darniederwirft. Ich sehne mich nach ihm! Es ist öde, nichts ehren zu könne» als sich selbst." Das trotzige Selbstgefühl des Dichters, das durch kümmer­liche Verhältnisse seiner Jugend und durch mangelnde Anerkennung aufs höchste gesteigert war, macht sich hier in starker Übertreibung Luft.

Aber dieser Prometheus des Kraftgefühls empört sich uicht gegen Gott; er sucht nach Gott als etwas Höherm. Seme Götter genügen ihm nicht. Das Stück beginnt damit, daß Holofernes ein Opfer befiehlt, und zwar dem Gott, den wir alle kennen und doch nicht kennen. Aber der Fluch des Heiden­tums erfüllt sich an ihm, obwohl er gerade in dem Lande weilt, dessen Volke bereits die Offenbarung zu teil geworden ist. Ihm wird sie es nicht. Darum vermag er, auf schwindelnder Gedankenhöhe angelangt, sich selbst für Gott zu halten.Stürz hin und bete mich an!" ruft er Judith zu, die, von der Macht seiner Persönlichkeit ergriffen, schwankend geworden ist. Dies Wort vernichtet ihn. Es giebt ihr Kraft und Eutschluß zur That wieder.