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Neue Ziele, neue Wege
Eine sehr wichtige Frage ist aber nun, ob die neuen Parteiverhältnisse anch einen Rückhalt in der Bevölkerung haben werden. Wir denken: mindestens einen stärkern als die der „Ära Taaffe." Die Deutschen müssen sich freilich erst wieder ein bischen an den Gedanken gewöhnen, daß sie der Regierungspartei angehören, sie müssen, wie kürzlich der Freiherr von Czedik in einer Vereinsversammlnng treffend bemerkte, die kindliche Auffassung aufgeben, als sei dies eine Schande. Die Polen folgen unbedingt ihren Führern, ebenso ein großer Teil der Wählerschaft der Konservativen. Die Tschechen sind so wie so nicht zn gewinnen; nicht das Ministerium Windischgrätz, das Ministerium Taaffe, das ihnen so wohl wollte, war genötigt, den Ausnahmezustand über Prag zu verhängen. Den Sozialdemokraten endlich wird es keine Negiernng und keine Verbindung, die aus den besitzenden .Klassen hervorgegangen ist, jemals rechtmachen können und — wollen.
Neue Ziele, neue Wege
2. Die Selbsttäuschung der Herrschenden
wei Diuge, sagten wir. seien es, die den Herrschenden die seit 1870 eingetretene Verkümmerung der Grundlagen des Reichs uud die daraus entspringenden neuen Aufgaben verhüllten. Betrachten wir nun heute diese beiden Dinge genauer.
Das eine ist das nativncilliberale Ideal. Der Nationalverein, aus dem die nationalliberale Partei hervorgegangen ist, hat keineswegs die Bewegung fortgeführt, die 1813 das deutsche Vaterland vom Franzosenjoche befreite, und deren Wesen mit den drei Namen: von Stein, E. M- Arndt und Görres ausgesprochen wird. Diese Bewegung war durchaus volkstümlich gewesen, die nationalliberale Partei dagegen ist eine vornehme Partei. Das soll nicht etwa ein Vorwurf für ihre Mitglieder sein — versteht es sich doch von selbst, daß sich bei einem gewissen Grade der gesellschaftlichen Differenzirung die Vornehmen in Denkungsart und Sitte vom gemeinen Manne absondern —, aber man darf es nicht unbeachtet lassen, wenn man ermitteln will, was die Partei im Lande bedeutet und vermag. Eine solche Partei der Vornehmen kann sich als müßigende Ratgeberin jederzeit sehr nützlich machen, sie kann unter so günstigen Umständen, wie sich ihrer nach 1870 unsre Nationalliberalen erfreuten, eine Zeit lang die leitende Rolle spielen, aber sie kann in einem Staate mit ganz demokratischem Wahlrecht nicht auf die Dauer die Mehrheit