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Die Weltanschauung der Romantik und Friedrich Hebbel
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Die Weltanschauung der Romantik

und Friedrich Hebbel

von I. Lollin

ie mächtige Geistesbewegung, von der das letzte Drittel des achtzehnten Jahrhunderts ergriffen ward, hatte den Zweck, dem Menschen seine ureignen Rechte, seine Freiheit wiederzugeben. In Deutschland blieb sie auf das litterarische Gebiet beschränkt. Shakespeare ward hier von selbst der Herold einer neuen Zeit; denn ans seiner Dichtung wehte dem jungen Geschlechte der Hauch einer Freiheit entgegen, die auf glücklicherem Boden in einer lebendigen Zeit unter dem Einfluß des ProtestantiSmns schon längst crrnngen worden war. Gleich das erste Werk, mit dem eine neue Zeit in der Geschichte unsrer Dichtung wie des geistigen Lebens beginnt, Goethes Götz, stellt den in unfreier Zeit nach Freiheit ringenden Mann dar. Wie der Mensch ans der Grundlage des wirklichen LebenS znr Freiheit gelangen könne, ist stets das Thema der Gvethischen Poesie geblieben vom Götz an bis zn der Weisheit letztem Schluß deS alten Faust:

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muß. Goethe ist, wie sehr er auch hierin verkannt worden ist, der eigentliche Dichter der Freiheit. Er hat den innern Menschen anfangs im tragischen, spater im siegreichen Kampfe um seine Freiheit zum Gegenstande dichterischer Darstel­lungen gemacht. Die lebendige Quelle dafür ward durch ihn das eigne Innere des Dichters. Diese Offenbarung, die ihm geworden war, hat er noch ein­mal am Ende seines Lebens dem jungen Dichtergeschlecht als sein Vermächtnis eindringlich ans Herz gelegt. In dem fünften Nachlaßbande seiner Werke konnten sie ein Mahnwort für junge Dichter lesen, worin er unter nuderm hervorhebt:Weun ich aussprechen soll, was ich den Deutschen überhaupt, besonders den jungen Dichtern geworden bin, so darf ich mich wohl ihren Befreier nennen; denn sie sind an mir gewahr geworden, daß, wie der Mensch vvn innen heraus leben, der Künstler von innen heraus wirken müsse, indem er, geberde er sich, wie er will, immer nur sein Individuum zu Tage för­dern wird."