Der Tierschutz 125
bietet, der einzige Ausweg. Ein praktisches Bedenken ist es, daß das jetzige Wahlgesetz mit dieser Neuregelung unvereinbar Ware. Aber dieses Gesetz wartet dvch nur darauf, daß ihm der Todesstoß gegeben werde. Nicht viele würden ihm ihre Thräne nachweinen, wenn es den Hals bräche über einer Wciterentwicklnng des Grundsatzes, wonach die Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen den Maßstab für ihre Heranziehung zur Steuer bilden soll.
Osnabrück Heinrich Freiherr von Zedlitz
Der Tierschutz
ö. Der Tierschutz und die ^m^e-rio
ie Thatsache, daß erstens die Tierquälerei zum großen Teil ihren Grund in der Unwissenheit hat, zweitens die Roheit uuter den Erwachsenen in vielen Fällen der mangelhaften Erziehung zuzuschreiben ist, legte den Tierschutzvereiuen den Gedanken nahe, zu untersuchen, wie man die Jugend sür die Bestrebungen der Vereine gewinnen könne, und zwar durch den Unterricht sowohl als durch die Erziehung. Daß auch in dieser Beziehung die widersprechendsten Ansichten laut geworden und die mannichfachsten Versuche angestellt worden sind, ist leicht erklärlich.
Vielfach glaubte man, i» Schülervereinen ein wertvolles Mittel zur Verhütung von Tierquälerei gefunden zu haben, und in der That entstanden in verschiednen Ländern, auch in Deutschland, Vereine, deren Mitglieder sich schriftlich verpflichteten, den Grundsätzen des Tierschutzes treu zu bleiben und weder Tierquälereien zu begehen, noch von Mitschülern zu dulden. Wie erfolgreich auch diese Vereine dem pädagogischen Laien erschienen, so wnrde doch bald in den Reihen der Lehrer das Unnatürliche und Schädliche erkannt, daß die Vereine nnr ans Antrieb des Lehrers entstehen, daß sie die Angeberei befördern und zur Überhebuug der Schüler führen, die den Vorstand bilden. Das Vereinswesen in die harmlose Kinderwelt hineinzutragen, wurde als erkünstelt und altklng erkannt. Und so haben, wenn anch die Bildnng von Schülervcreinen noch hente von einzelnen Anhänger» der Bewegung unterstützt wird, die größern Vereine und Verbände von einer Förderung abgesehen.
Ein wesentliches Mittel znr Ausbreitung der Tierschutzidee unter der Jngend und dadurch zur Unterdrückung der Roheit erblickten die Tierschutzvereine iu der Unterweisung durch deu Unterricht, uud zwar durch den Unterricht in der Religion, im Deutschen und in der Naturkunde. Aber anch hier waren die Ansichten geteilt. Ans der einen Seite wollte man dem Tierschutz