Maßgebliches und Unmaßgebliches
midre wäre, als sie ist, auf breite Schichten ausüben könnte, doppelt wichtig. Daß aber der geschilderte Entwicklungsgang unsrer Bureaukratie besonders geeignet erschiene, Männer hervorzubringen, die imstande wären, in ernster Zeit die Volksseele zu verstehen, wird niemand behaupten wollen. Die Regierung muß es ja wissen, wie sie mit diesem Verwaltungsapparat den hoher "nd höher steigenden Wogen der sozialen Bewegung gegenüber auszukommen gedenkt. Sollte sie wirklich glauben, damit eine tiefer gehende Wirkung aus das Volk ausüben zu können? Wir wollen hoffen, daß ihr die Probe erspart bleibe!
Jedenfalls wird man gut thun, die Gefahr unsrer Zustände nicht zn unterschätzen. Auf der Oberfläche mögen sie sich ja im großen und ganzen iufolge des überall wuchernden Byzantinismus gar nicht übel anlassen. Wenn ein Ober- oder Regierungspräsident in seinen Bezirk reist, wird ihm zuverlässig von allen, mit denen er iu Berührung kommt, die größte Ergebenheit entgegengebracht, aber das hindert nicht, daß die Unzufriedenheit in bedauerlichem Maße zugenommen hat. Auch in Frankreich ließ unmittelbar vor dem Ausbruche der Revolutiou die Unterwürfigkeit vor den Organen der Regierung "lchts zn wünschen übrig. Minister und Intendanten sahen sich von allen Seiten umdrängt von Persönlichkeiten, die Ämter und Titel erstrebten; wo sie hinkamen, war alles olntsMu das. Aber trotzdem brach eines Tages die staatliche Autorität wie ein Kartenhaus zusammen. Glücklicherweise sind unsre Zustände doch noch wesentlich andre, als im alten Frankreich. Unser Volk enthält noch der gesunden Bestandteile genug, die treu an der bestehenden Ordnung festhalten und uicht so leicht zu überfluten sein werden. Dennoch erscheint für unsre Verwaltung eine Umkehr dringend geboten, Umkehr zur Volkstüm lichkeit, wenn auch unter Preisgebung von etwas Vornehmheit. Sie muß iu die Hütten gehen und mit den Enterbten das Brot brechen, wenn sie sich wirklich an den großen sozialen Aufgaben am Ende des Jahrhunderts beteiligen will.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Fürst Bismarck und Graf Arnim-Schlagenthin Mit einiger Verwunderung konnte man jetzt in einigen Blättern einen aussührluhen Brief lesen, den Graf Arnim. der Sohn des ehemaligen Botschafters Harry von Arnim. an Fürst Bismarck gerichtet hat. um von ihm Auskunst darüber zu verlangen („binnen "cht Tagen!"), ob er wirklich die von Hans Blum erzählte Geschichte von gewisse,, außeramtlichc», die deutsch-französischen Friedensunterhandluugen störenden Beziehungen seines Vaters zu Pariser Bankiers erzählt habe, die der Graf bereite Greiizbowl 1 1894 ^