Beitrag 
Schäffle über die orientalische Frage.
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

Die ethische Bewegung

61

Reste des türkischen Reichs in Europa und Asien nicht in den Besitz einer einzigen Macht übergehen, sondern ein freies Feld für gemeincuropäische Wirt­schafts- und Kvlvnisationsthütigkeit bleiben.

AMM

-v, ^^K-'Ä,.

KM

Die ethische Bewegung

n Zeiten wie der unsrigen, wo sich die Sünden der vorher- gegaugnen Zeit in schweren gesellschaftlichen Mißständen offen­baren, Pflegen die mannichfaltigsten Vorschlage zur Verbesserung der schlimmen Lage aufzutauchen. Aber sie haben fast alle das Los gemein, daß sie bei aller scheinbaren Nützlichkeit doch nur wenig Erfolg haben und in der Regel spurlos verschwinden, um andern ihres­gleichen Platz zu machen. Der Grund dieser Erscheinung ist nicht schwer zu finden. Wie ein ungründlicher Arzt oft uur die Auzeicheu einer Krankheit zu beseitigen, die Ursachen dagegen gar nicht zu erforschen, geschweige denn zu entfernen sucht, so findet es der Mensch überall bequemer, die erscheinenden Übel verschwinden oder wenigstens unsichtbar zu machen, als ihren oft recht versteckten Ursachen nachzuspüren und durch Entfernung dieser Ursachen das Übel vvn Grund aus zn beseitigen. Die Folge solches Verfahrens ist natür­lich die, daß das Übel meistens in derselben oder in andrer Gestalt Wiederkehrt.

Solcher Bestrebungen giebt es heute unzählige. Man mustere nur daraufhin den Auslegetisch eines Buchhändlers oder gehe im Adreßbuch einer größern Stadt die Liste der Vereine dnrch. Nnr selten begegnet man solchen, die etwas tiefer gehen, indem sie die mehreren Übeln zu Grunde liegende Ursache zu be­kämpfen suchen. Zu diesen Bestrebuugen müssen wir heute in erster Reihe die ethische" Bewegung rechnen. Von der Erkenntnis ausgehend, daß bei weitem die meisten der heutigen Übelstciude entweder ans der zunehmenden Verderbnis der Sitten beruhen oder sich doch dadurch bedeutend verschärft haben, hat sich eine Anzahl von Persouen, darunter mehrere durch Stellung und Ansehn her­vorragende, in der Absicht zusammengefunden, dieses Grundübel unmittelbar zu bekämpfen, d. h. die Sittlichkeit des gesamten Volks auf jede geeignete Weise zu heben.

Unterscheiden sich nun wirklich die Bestrebungen derGesellschaft für ethische Kultur" wesentlich von den oben gekennzeichneten? Haben sie Allssicht auf