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ganz abgesehen von der Gefahr, daß eine geistige Fütterung und Überfütterung dieser Art die jungen Leute für ein gesundes Denken in ihrem Beruf unfähig machen muß,
Meisenbach. Weil mir die Cottasche zweibändige Ausgabe der Droste-Hüls- hvff für meine Lieblingsdichterin nicht hübsch genug ist, kaufte ich mir die in Munster erschienene vierbändige, die anständiger aussieht und sich besser liest, wenn man die vft recht thörichten Anmerkungen des Herrn Kreiten Übersicht, Ich würde mich auch dankbar in die beiden Bilder im Eingange des zweiten nnd dritten Bandes vertiefen, die zwei in dem Leben Anncttens so einflußreiche Orte, Rüschhaus uud Hans Hülshoff, darstellen, wenn es nicht so dumpfe Zinkdrucke wären. Aber auch selbst die karrirte Luft, die schmutzigen Schaltenflächen und deu allgemeinen Hauch von schlechter mechanischer Abbildung nnkünstlerischer Photographien nimmt man hin, denn diese billigen Nachbildungen sind am Ende nicht mehr zn vermeiden. Was thut aber der dick in weißen Lettern hingehaueue Name der Zintographenfirma Meisenbnch ans diesen Bildern, auf denen selbst ein Künstlermonogramm zu groß und zn deutlich, daher störend wäre? Warnm unterzeichnet sich der Mann, dessen Arbeiter durch Photographie uud Ätzuug das „Werk" herstellen? Das Publikum nimmt ja leider solche entstellende Geschmacklosigkeiten hin. Wir prvtestiren aber dagegen, daß selbst die ärmlichen Paar Quadratcentimeter der harmlosen Abbildung eines Dichterheims zu Reklamezweckcn benutzt werden.
Litteratur
Das deutsche Reich zur Zeit Vismarcks. Von Haus Blum. Leipzig und Wien,
Bibliographisches Institut, 189!?
Es darf bezweifelt werden, ob schon jetzt die Zeit gekommen ist, die deutsche Geschichte der zwanzig Jahre 1870/90 in wirklich historischer, also unbefangner und deu verschiednen Persönlichkeiten nnd Richtungen gerecht werdender Weise zn schreiben. Stehen wir doch noch allzusehr unter dem tiefen Eindrucke, den der Rücktritt Bismarcks hervorgerufen Hot, nnd den der unwillkürliche Vergleich zwischen einst und jetzt noch immer frisch erhält. Unter diesen Umständen nicht Parteiisch zu sein, ist fast unmöglich, nnd es ist gewiß am wenigsten möglich für einen, der persönlich mitten im Kampfe gestandeil hat. Auch der Verfasser des vorliegenden Buches ist dieser Gefahr, die in dem Stoffe selber liegt, nicht entgangen. Daß er überall für seinen Helden entschieden Partei nimmt, ist für einen so warmen Patrioten natürlich nnd wird ihm von niemand zum Vorwurfe gemacht werden, der selbst ans diesen Namen Anspruch erhebt; aber er sieht nnch alles durchweg durch die national- liberale Brille und vermag die relative Berechtigung eines andern Standpunkts gnr nicht anzuerkennen, was man ja von dem praktischen Politiker nicht verlangen darf, wohl aber vom Historiker. So kommen nicht bloß das Zentrum und die Sozialdemokratie sehr schlecht weg, sondern auch die Preußische konservative Partei, und selbst Männern gegenüber wie Noon und Moritz von Blankenburg findet der Verfasser da, wo er ihre Abkehr von Bismarck schildert, nicht den würdigen Ton, Grenzboten I 1894 7