Goethes Lilienmärchen ZI
bevorstehende Operation nicht mit der nötigen Entschlossenheit vollzogen würde. Zu einer solchen Annahme liegt aber kein Anlaß vor. Im Gegenteil, wir glauben, daß die Verfasser der Vorschläge sich gerade über diesen Punkt durchaus klar gewesen sind und mit vollem Bewußtsein darauf hingearbeitet haben, die Fachgeuossenschaften zu öffentlich-rechtlichen, die Jnnuugeu zu privatrecht- licheu Körperschaften zu machen. Je besser und gründlicher diese Scheidung gelingt, desto mehr wird die beabsichtigte Organisation zum Wohle des Ganzen nusschlagen. Zu Klagen und Vorwürfen aber haben die Freunde der Innungen am wenigsten Anlaß; für sie gilt es jetzt, durch Anspannung ihrer ganzen Kraft ans der gegenwärtigen Krisis zu einem gesündern Dasein zu erstarken.
Goethes Lilienmärchen
enn in den Tannenbäumen die Lichter flimmern, wenn die letzten Glockenschläge des scheidenden Jahres tönen, dann darf man es wvhl trvtz unsrer Zeiten Nüchternheit ausnahmsweise einmal wagen, ein altes Märchen knrz wiederzuerzählen, ein Märchen, von dem uns halbverschvllene Knnde meldet, daß es einst die besten Geister unsers Volks beschäftigt habe. Zwar hat es gewiß jeder Leser dieser grünen Hefte schwarz auf weiß in seinem Bücherschranke stehen, aber eben so gewiß hat es unter Hunderten von ihnen kaum einer im Gedächtnis: das Märchen Goethes von der schönen Lilie.
Vom Regen angeschwollen, ist der große Fluß über seine Ufer getreten. Der alte Fährmann, der in seiner Hütte schläft, wird in der Nacht von zwei großen Irrlichtern geweckt. Sie haben es sehr eilig, ans andre Ufer übergesetzt zn werden. Während der Überfahrt zischeln sie in einer fremden Sprache, sie lachen, schaukeln den Kahn, und beim Landen werfen sie. sich schüttelnd, glänzende Goldstücke in das feuchte Fahrzeug. Der alte Fährmann, höchst erschreckt, verlaugt, daß die Irrlichter das Gold, weil der Strom dieses Metall '"cht leide» kann, zurücknehmen. Als aber die Irrlichter leichtfertig erklären, '"chtS wiedernehmen zn können von dem, was sie abgeschüttelt haben, trägt der Alte das gefährliche Gold ins Gebirge und schüttet es in eine Felsenkluft, Kw es von der grüuen Schlange verschlungen wird. Vorher aber haben sich le Irrlichts verpflichten müssen, statt in Gold nachträglich in „Früchten der ^de" zu bezahle...
Die Schlange, leuchtend und durchsichtig geworden, verläßt die ode Felsen-