Gedanken eines Grundbesitzers
von 35 Ar und 49 (Quadratmetern
ingeweihte sehen schon ans der Überschrift, daß mein Grundbesitz gerade groß genug ist, bei bescheidnen Ansprüchen meinen eignen Kohl zu bauen. Wenn ich mich trotzdem dein Buude der Landwirte angeschlossen habe, so ist das nicht etwa deshalb geschehen, weil ich aus diesem Anschluß für meine eigne Lage Verbesserung hoffte, sondern weil ich hier zwischen Reichen, d. h. Millionären. Luxnslandwirten und fleißigen, um ihr Dasein ringenden Bauern lebe, sehe wie der Hase läuft, und uach dem Sprichwort „Einigkeit macht stark" von dem Bunde Nutzen' für unsern Bauernstand, ja seine Erhaltung und damit die Erhaltung unsers Volks hoffe. Ich selbst bin sehr zufrieden mit meiner Lage. Ich habe keinen Anschluß an die Wasserleitung, die mein Dorf versorgt, sondern trinke ans der Quelle, die meiner Scholle entsprndelt, sodasz ich mich im vorigen Jahre höchst unabhängig von der allgemeinen Cholera- surcht gefühlt habe. Ich habe auch keinen Anschluß an das Siel genommen, in das seit einigen Jahren unsre Dörfer, auf Anregung der ortsansässigen Millionäre und soustigeu Städter, ihren Dung in den schiffbaren Fluß führen, der bei uns vorbeifließt, sondern benutze den Dung meiner Familie, meines Pferdes, meiner Ziegen und Hühner zur Kräftigung meiner Kartoffeln, Äpfel und Birnen, meiner Gurken und meiues Kohls. Etwaige Schlacken und Steiue werden zur Befestigung der Wege verwandt, sonst wird alles Laub, Asche, Unkraut u. s. w. zur Dungmite verarbeitet. Meine Ziegen liesern mir meine Milch, meine Hühner die Eier, mein Pferd trügt mich zu meinem Beruf, mein Feld liefert mir meine Früchte und Gemüse, mein Garten das Reisig zur Heizung, und das alles bei 35 Ar uud 49 Quadratmetern! Aber ich flehe fest auf meinem Grund und Boden, tren meinem Kaiser und obersten Kriegsherrn, ein König selbst in meinem eignen Reiche, und hier ist der Punkt, wo ich den Herrn Reichskanzler acl g.v8ur«Zuur sichren mochte. Vor sechshundert Jahren waren meine Vorfahren das mächtigste aus bäuerlichem Stande emporgewachsene Rittergeschlecht zwischen Elbe und Weser, und nur der vereinigten Macht der Hanse, deren Zorn sie durch kühne Raubzüge heraus- gesordert hatten, sind sie unterlegen nnd mußten Urfehde schwören. Aber