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Kanonier Schimansky
Gott im Himmel! hat man denn nicht mal am heiligen Abend vor dem Kerl Nnhe! muß der einen bis untern Weihuachtsbcmm verfolgen! Was ist denn nn wieder los?
Während der Leutnant den Fall vortrug, eilte die juugc Frau Hauptmann aus dem Zimmer iu die Hausflur und erfuhr dort von Kathinka die ganze traurige Weihuachtsgeschichte. Sie war gerührt und eilte sofort ins Zimmer zurück.
Ach, das ist ja entsetzlich! rief sie. Die armen Leute! Ich verstehe dich nicht, Rudolf! Wie kannst du den Mann hente, am heiligen Abend, auf Wache schicken!
Liebe Hedwig, sagte der Hauptmaun abweisend, thu mir deu Gefallen und mische dich nicht in dienstliche Angelegenheiten!
Ach, Herr Leutnant, fuhr Frau Hedwig fort, thun Sie doch etwas für die armen Leute, daß der Manu Urlaub bekommt.
Der Offizier verbeugte fich höflich uud küßte ihr die Haud, Gnädige Frau, was ich als Rondevffizier thun konnte, habe ich gethan. Urlaub geben, das kann nur der Herr Hauptmann.
Frau Hedwig richtete ihre großen brauneu Augeu bittend auf deu gestrengen Gatten.
Der Feldwebel Ruhuke hat das angeordnet, und der wird schon seine Gründe haben, sagte der Hauptmann. Er versuchte seine militärische Würde Frau Hedwig gegenüber Aufrecht zu erhalten, aber es gelang ihm nicht. Daß der Unglücksrabe der Kompagnie selbst unter seiueu Weihnachtsbaum geflattert kam, das war doch nur vou der heitern Seite aufzufassen.
Na, was sageu Sie denn dazu, Herr Leutnant? rief er halb ärgerlich, halb lacheud. Es ist doch nicht zu glauben mit dem Kerl, man mochte gleich dreinschlagen!
Ja, ich kann nnr sagen, was die gnädige Frnn meint, das heißt, ich mochte nicht —
'S ist gut. Meinetwegen mag der Kerl hingehen, wo der Pfeffer wächst.
Frau Hedwig hatte sich au deu Hauptmann gelehnt, sie sah ihm dankbar in die Augen, drückte ihm heimlich die Hand und sagte: Sieh, nnn bist du lieb uud gut! Nun müsse» aber auch die Leute ins Zimmer kommen nnd sich unfern Weih- nachtsbanm ansehen.
Sie eilte nach der Thür uud forderte die angstvoll wartenden auf, einzutreten, nnd so kam denn nnN Kanonier Schimanskh mit Weib uud Kind uud stand wie geblendet, starr uud steif vor dem Weihuachtsbcium des Mannes, von dem er glaubte, er käme gleich hinterm lieben Gott.
Frau Hedwig raffte alles zusammen, was sie an Kuchen und Zuckerwerk ergreifen kannte, und packte es dem juugeu Weibe in deu Korb; dann nahm sie die kleine Maschinka auf deu Arm, wickelte das Köpfchen aus dem Bündel uud küßte die kleine, rote Waugc. Der Hauptmaun reichte Schimanskh die Hand uud sagte: Im Grunde sind Sie doch ein braver Kerl, Sie Pechvogel. Sie können mit Ihrer Frau gleich abfahren, Sie haben acht Tage Urlaub.
Vierzehn Tage! unterbrach ihn Frau Hedwig, indem sie das Kind auf deu Armeu hin- und herbcwegte uud ihn bittend ansah.
Aber liebes Kind, na — meinetwegen vierzehn Tage!
Das war dem armen Kerl denn doch zu viel, und als sein Weib der juugeu Frau Hauptmaun den Saum des Kleides küßte, uud er vor Überraschung und Freude taumelud das Zimmer verließ, da rannen ihm die hellen Thränen über die Backen.
Nach wenigen Minuten war der Hanptmann und Hedwig wieder allein. Es war ganz still im Zimmer. Nur znweileu knisterte hie uud da ein Zweig am