Die Flüchtlinge
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zeitnng," dessen Hahnensüße Annette für „Steigmieder" liest D. 211), hieß Schmieder. Natürlich sind dcis Kleinigkeiten, die nichts bedeuten.
Um so mehr bedeuten die Briefe. Sie gehören zn den anziehendsten und vriginellsten uusrer reichen deutschen Brieftitteratur und gereichen dem Gedächtnis Annettes wie Lcvin Schnckings in gleicher Weise zur Ehre.
Die Flüchtlinge
Line Geschichte von der Landstraße
lFvrtschnng)
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eltsmnerweise benahm sich der Vagabnnd am andern Tage so, als wäre nichts vorgefallen, und forderte Lneie wieder auf, mit ihm auf die Fahrt zn ziehen. Sie schwankte einen Augenblick, dann blitzte der Gedanke in ihr ans, daß ihn der gestrige Auftritt geneigt gemacht haben könnte, sich von ihnen zu trennen, nnd sie ging mit ihm. Es war ja nicht möglich, das; nach dem Vorgefallnen alles so zwischen ihnen bleiben konnte wie bisher, und während sie schweigend dnrch das kahle Feld einem entfernten Dorfe zuwanderten, wnrde es ihr immer gewisser, daß es nun zn einer Entscheidung kommen müsse, die ihnen die Freiheit zurückgeben würde, nnd das Herz wurde ihr froh nnd leicht bei diesem Gedanke». Aber sie ahnte nicht, daß der killte mit haßerfüllter Seele nur über das eine grübelte, wie er sich am härtesten und nachhalligsten an Franz rächen könnte, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Vor dem Dorfe trennten sie sich, nachdem der Bagabnnd uoch kurz Bescheid gegeben hatte, wo ihn Lueie finden würde. Es war ein freundlicher Tag. In den Gärten vor den Häusern blühten die Astern. Die Kinder plätscherten lustig >»il ihren nackten Füßen in dein Bache, der dnrch das Dorf floß, nnd ihr Lachen, ihre frohen Stimmeu klangen wohlthuend i» Lneies Seele hinein. Znm letzten- "lale! sagte sie zn sich, nnd bei jedem Schritte, den sie that, sagte sie es von neuem. Sie nahm sich vor, dnrch Ruhe und Versöhnlichkeit einen guten Ausgaug herbeizuführen. Ich werde ihu gewinnen, er kann mir nicht widerstehen und wird "»s ziehen lassen, sagte sie zu sich; nnd auch während sie die Scheltwvrte der Leute, vor deren Thüren sie mit gesenktem Kopfe nnd gerötetem Gesicht stand, über sich ergehen lassen mußte, verlor sie diese frohe Gewißheit uicht auf einen Ailgenblick.
Endlich hatte sie den sauern Weg hinter sich und ging nnn aus dem Dorfe den Fußpfad zu der Halde hinauf, wo sie der Vagabund erwarten wollte. Man hatte von da aus eiueu freieu Überblick über die Gegend, wie ihu der Alte liebte, wcuu er Rast hielt. Lueie sah ihu erst, als sie dicht vor ihm stand. Er hatte sich über einem Steinbruch, der gegen den Friedhof des Dorfes zu uuter ihnen lag, i»s (^raS gelegt nud ließ sich von der warmen Nachmittagssonne bescheinen.