Die Flüchtlinge
479
sehn mag, überfüllt, in andern fehlt es an Kräften, die Überzahl der mit Stipendien reich gesegneten höhern Bildungsanstalten produzirt immer mehr Halbgebildete und Unzufriedne. Die wirklich bedeutende Kraft hat sich wohl noch immer selbst durch- uud emporgearbeitet, uud es ist kein Unglück, wenn der Geschäftsmann, der Landwirt, der Handwerker, die vielleicht in ihren Jugend- jnhreu künstlerische oder litterarische Neigungen verraten haben, diesen die Freistunden nach des Tages Arbeit widmen, ohne deshalb produktiv auftreten, den Bilder- und Buchermarkt beschicken zu wollen. In dieser Beziehung können wir mit Neid ans England uud Frankreich blickeu, wo der Bürgerstand eine viel geachtetere Stellung einnimmt, der alberne Gelehrten- und Künstlerhochwut nicht so überwuchert, wie bei uns.
Die Flüchtlinge
Line Geschichte von der Landstraße Avrtschnng) 7
m andern Tage mußten sie es schon als ein Glück ansehen, daß sie in der Herberge Aufnahme gefunden hatten, Franz war erkrankt, er lag in starkem Fieber und fühlte sich unfähig, aufzustehen. Der Jammer, den er so lange still getragen hatte, war über ihn Herr geworden. Das war ein schwerer Schlag für sie: sie mußte» sich nnn darauf einrichten, einige Zeit an diesem Orte zu verweilen.
Tagsüber War es in dem Hanse noch erträglich, aber der Abend wurde den beiden schrecklich, da sie kein Licht in ihr Zimmer bekamen. Sobald der .'.corgei, aufdämmerte, floncu die meisten Kunden aus. um in irgend einer Dorfschaft entfallen: sie . gingen ans die Fahrt." bettelten den Baner an, den Kafser; aber Ueber noch hatten sie es mit den gutherzigen Bäuerinnen, den .Msferuuhen, zu thn». Das weibliche ,5erz konnte nnmöglich lange deut Anblick von soviel Kammer, den. Ansturm von soviel klagenden nnd schmeichlerischen Worten widerstehen ^
Einige hattet, weniger ans der Bcttelfahrt als im Finden Glück. Es war wunderbar, was man alles auf der Straße finden konnte: Uhren. Talgltchter. Tabaksdosen Pflaumenmus, Stiefel nnd vieles andre fand bald dieser, bald sener. "nd soweit er die Gegenstände nicht selbst gebrauchen konnte, verkaufte er sie abends "uf der Herberge an unternehmende kleine Geschäftsleute. Es war daher eme beliebte, inmicr mit Heiterkeit anfgenommne Frage unter den Knndcn: Ja Junge, wem hast du denn das weggefunden?
So sahen die Flüchtlinge bei den Menschen, die nunmehr ihre Umgebung bildeten, öfter Geld in Fülle, während sie selbst allmählich Mangel litten und