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Das Künstlerelend
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Das Künstlerelend

öchtc nicht einer von unsern vielen Statistikern von Beruf oder aus Liebhaberei sich einmal an die Beantwortung nachstehender Fragen machen: 1. Wie viel verkäufliche ueue Gemälde werden in einem Jahre ausgestellt, und wie viel werden verkauft? 2. Wie viel Quadratmeter Wandfläche iu Galeriegebäuden, oder wie viel durchschnittliche Wohnzimmer (in denen noch andre Gegenstände als Bilder untergebracht werden müssen) wären erforderlich, um alle ausgestellten Bilder so aufzuhängen, daß sie überhaupt gesehen werden könnten? 3. Welche Snmme machen die für alle ausgestellten Werke der Malerei geforderten Preise aus, wie viel pflegt jährlich für Bilderkäufc aufgewandt zu werden, und iu welchem Verhältnis steht dieser Betrag zu deu für den Lebensbedarf der Be­völkerung erforderlichen Summen?

Wir verkennen keineswegs, daß die gewünschten Zahlen etwas schwer zu beschaffen sein würden, glauben aber, daß die Arbeit mehr Nutzen bringen könnte als manche andre, auf die alljährlich in eignen Büreaus großer Fleiß verwendet wird. Sie würde uicht nur in allgemein faßlicher Weise das un­geheure Mißverhältnis zwischen Angebot nnd Nachfrage vor Angen führen, von dem ohnehin jeder eine ungefähre Vorstellung hat, sondern zugleich zeigen, daß die Nachfrage gar nicht größer sein kann. Und das ist der Punkt, über den namentlich in der Künstlerwelt große Unklarheit herrscht. Grundirte Leinwand ist in unendlicher Fülle vorhanden, Farben werden genug fabrizirt, um alles Festland zu tünchen, und an fleißigen Händen, die mit Farben um zugehen wissen, fehlt es auch nicht. Aber wir sind nicht reich genug, die gesamte heutige Kunstproduktion zu konsumireu, wobei vorläufig die Frage der Qualität der Produktion unberührt bleiben kann. Man führt gern an, daß heutzutage unverhältnismäßig? Summen vom Theater, von Pferderennen und andern nobeln Passionen verschlungen werden, daß man gut und teuer ißt und triukt u. dgl. m. Dabei wird jedoch oft übersehen, daß der gerügte uud gewiß vielfach recht verwerfliche Luxus keineswegs außer Verhältnis zu dem gesteigerten Wohlstande, dem gesunknen Geldwerte und andern Vor­bedingungen der heutigen Lebensführung steht, und daß auch die Kuustlieb- haberei nicht weniger an Ausbreitung gewonnen hat. Bildnismaler geringern Grenzboten IV 1393 60