Die Flüchtlinge
429
Soll ich noch weitere Beweise bringen, soll ich zeigen, wie auch das entgegengesetzte Prinzip in der Seele des Arbeiters im Zollingschen Romane thätig wird, oder wie auf Seiten der Arbeitgeber Gewährung und Versagnng lebendig werden? Ich denke, dem Leser die Mühe sparen zn dürfe». Wenn er selbst das Buch in die Hand nimmt, wird er finden, daß überall jene Objektivität herrscht, au die allein die volle künstlerische Wirkung geknüpft ist. „Jenseits von Gut uud Böse" ist die moderne Forderung: hier ist sie erfüllt. Nicht, als ob der Dichter selber kein Urteil hätte, er hat es sogar überall, nur hält er sorgfältig damit zurück. Dcuu nicht er will entscheiden, sondern der Leser soll das Urteil fällen, und selbst wenn er diesem damit vorzugreifen scheint, daß er schließlich dem Guten zum Siege verhilft, so thut er es doch mit einer so fest an die Thatsachen geknüpften Motivirung, daß über die Notwendigkeit des Ausgangs nirgends ein Zweifel aufkommen kann.
Wenn ich trotzdem über einen Punkt einen Tadel nicht unterdrücke, so erstreckt er sich doch auf etwas Nebensächliches. Lene, die schon erwähnte Kammerzofe der Frau Leuz, ist augeuschciulich vom Dichter mit besondrer Vorliebe gezeichnet worden. Sie ist auch von ihm dazu auserseheu, das Hindernis hinwegzuräumen, das dem Glück der beiden Liebenden im Roman entgegensteht. Dagegen ist nichts einzuwenden, uud sie muß es auch, so wie ihre Natur sie treibt. Aber war es nötig, daß sie, nm das Glück andrer zu fördern, selber mit dem Bewußtsein eines schweren Verbrechens auf der Seele iu deu Tod ging? Hier klafft eine Lücke in der Erzählung, die das tiefe Gefühl der Befriedigung, das deu Leser überall sonst erfüllt, wesentlich beeinträchtigt.
Wilhelm shaven Arnold Fo?ke
Die Flüchtlinge
Line Geschichte von der Landstraße
(Fortsetzung)
war tief in der Nacht, als sie endlich erwachten. Lncie fuhr erschrocken empor und mußte sich erst besinnen, wie es kam, daß sie sich mitten im Walde befand. Franz bedürfte der Überlegung nicht, ihm waren die Ereignisse des vergangnen Tages in die Träume gefolgt und hatte« ihn geängstigt. Als er der Geliebten davon erzählte, dachte sie nach. Mir hat mich geträumt, tröstete sie ihn, und nun weiß ichs wieder, Liebster, es war etwas Schönes und Holdes. Wir sichren aus dem Meere, auf schwankendem