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Die Flüchtlinge : eine Geschichte von der Landstraße
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Die Flüchtlinge

Line Geschichte von der Landstraße 1

uf der Straße, die zu einer kleinen Stadt führte, gingen in der Abenddämmerung zwei junge Leute, ein Mädchen und ein Soldat. Sie ginge» nicht Arm in Arm, sondern hielten sich etwas von einander entfernt. Und doch merkte ihnen jeder der Vorübergehenden leicht an, daß sie zusammengehörten. Die Arbeiter und Arbeite­rinnen, die sich noch auf deu Feldern befanden, riefen ihnen neckische Worte zu, und wie die Menschen, so schien auch alles, was sonst noch um sie lebte, alle die mannigfaltigen Stimmen der Natur ihre Liebe zu billigen uud sich ihres Glückes zu freue«. Welch eiu hübsches Paar! sagteu die Leute. Wie schön ist das Leben! riefen die Sperlinge von den Hecken. Wie schön ist die Zeit der Liebe! sang die Lerche über ihnen im Blau, und auch aus dem wallenden, rauschenden Halmcnfcld, das in der Abendglut weithin schimmerte, klang und sang es, wie ein ununterbrvchnes Lied der Freude uud der Liebe.

Der Soldat war hoch gewachsen, von schlanker, ebenmäßiger Gestalt; er hatte eiu feines, schmales Gesicht und lichte blaue Augeu, iu deren Glänze sich die Be- wundrung wiederspiegelte, die er für seine Begleiterin im Herzeu trug. Sie war aber auch schon genug, ein junges Herz in Flammen zu setzeu. Der Abendwind spielte mit ihrem krausen Haar uud jagte ihr die Lockeu über die hohe Stirn. Ein rotes Gewand umfloß ihre Gestalt uud stand prächtig zu dem dunkeln Kopfe nnt den leuchtenden Augeu. ^ Wie schon sie ist! dachte der Mann nn ihrer Seite. Und wie ist es nur möglich, daß sie mich lieben kann? Das erschien ihm als das Wuuder aller Wunder, als ein Ereignis, dem sich nichts vergleichen ließ.

Das Mädchen las die Gedanken von seinem Gesichte ab und beantwortete sie mit einem Lächeln, in dem schelmischer Spott nnd Übermut lag, das aber auch erkeuuen ließ, daß sie über das Wuuder ihrer beiderseitigen Liebe nicht anders dachte als er.

Eine ganze Strecke waren sie schweigend neben einander hergegangen, nur ihre Blicke hatten sich gesucht. Jetzt, als die Straße eine Biegung machte und sich weithin hohe Hecken vorschoben, suchte sich der Soldat seiuer Begleiterin zu nähern und ihre Hand zu ergreifen. Aber sie hatte seine Absicht schon gemerkt und sprang mit fröhlichem Lachen zur Seite, indem sie ihn mit den Händen ab- Grenzboteu IV 1M3 40