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Wenn die Vürgerkunde, sei es auf die eine oder andre Art, als Lehrgegenstand in unsern Schulen Eingang findet — und daß das früher oder später geschehen wird, daran zweifle ich nicht —, so tritt an den Lehrer eine neue, schwierige, aber auch eine äußerst dankbare Aufgabe heran. Wer hätte, wenn er in einer Lehrstunde einmal eine volkswirtschaftliche oder gesellschaftliche Frage der Gegenwart berührt hat, nicht bemerkt, mit welcher gespannten Aufmerksamkeit die Schüler lauschen! Da die Schule den Anforderungen des Lebens unbedingt Rechnung tragen muß, so wird sie sich auch der Beschäftigung mit diesem Gegenstande nicht mehr lange entziehen können.
Theodor von Bernhardt
as große Interesse, das Bernhardts soeben erschienene Briefe und Tagebuchblätter aus den Jahren 1834—1857 (Leipzig, S. Hirzel) erregen, gilt in erster Linie dem Verfasser selbst. Dreißig Jahre alt kam er nach Petersburg, um sich dort selbst eine Existenz zu gründen, da sich Herr von Knorring, der Gemahl seiner Mutter Sophie Tieck, nach deren Tode in zu großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand, als daß er ihm anders als durch Empfehlungen hätte helfen können. Aber die bedrängte Lage diente nur dazu, die Spannkraft seines Geistes zu erhöhen und seiner unermüdlichen Arbeitskraft die Richtung zu geben, die ihn dann zu einem der bedeutendsten deutschen Historiker gemacht hat. Sobald es ihm seine äußere Lage — wie es scheint, hauptsächlich durch die Verheiratung mit einer Tochter des Admirals von Krnsenstern erleichtert — gestattet, kommt er, der im Herzen immer ein Bürger Preußens geblieben war, nach Deutschland zurück und siedelt sich, nach kurzem Aufenthalt in Weimar, in Kunnersdorf bei Hirschberg an. Auf diese Weise haben wir die Lebenserinnerungen eines fest auf sich gegründeten Charakters erhalten, der in Nußland zum Manne gereift nnd den leitenden Kreisen nahestehend, dem innern Dränge folgend, mitten in die preußische Reaktion der beginnenden fünfziger Jahre hineingeriet nnd sich in dem leidenschaftlichen Dränge nach Politischer Thätigkeit verzehrte. Daß ihm diese Thätigkeit nicht zu teil wurde, kann bei dem zünstigen Charakter des deutschen Lebens um so weniger wunder
""»gen der menschliche» Gesellschaft" (Straßburg, Schancnbnrg, 1873), das lange nicht genügend bekannt geworden ist.
GrenMlen IV 1893 W