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Schwarzes Bret
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Schwarzes Bret

Kürzlich war ich in einer Ausführung derEmilia Galotli," die zwar nicht in allem dem strengen kritischen B!aßstabe genügte, den man an die Darstellung eines Werkes unsers größten Kritikers legen möchte, die aber doch des Guten bot genug, über einzelne Maugel hinweg zum Verständnis des Ganzen eine Brücke zu schlagen. Das Theater war natürlich nicht sehr besucht, da es ja die Mehrzahl derGebildeten" heutzutage vorzieht, sich ihre geistige An­regung von Clowns und Chausouetteusängerinnen zu holen, statt von Lessing. Um so mehr glaubte ich mit der kleinen Gemeinde, die hier versammelt war, eines Sinnes zn sein, in gleicher Weise gegenüber diesem gewaltigen Ernst, dieser reinen, strengen Große die Kleinheit des eignen Ich zu empfinden. Als ich unter diesem Eindruck nach Schluß der Vorstellung den Raum verließ, hörte ich von einigen vermeintlichen Mitempfindende» (nicht aus den hvhern Rängen, sondern aus dem Parquet) beim Hinausgehen die Worte: Es war doch recht nett, uicht wahr? Wirklich, sehr nett; eS freut mich, daß Sie sich auch gut amüsirt haben.

Das waren die wenigengleichgestimmte Seelen," die ich um mich her versammelt glaubte.

Der Kegelklub des Münchner Journalisten- und Schriftstellervereins lädt dnrch Zirkular zumEröffnnugs-Schcibeu" (sie) auf seiner neuen Kegelbahn im Restanrnm Kvllergarten (sollte es nicht heißen: Restaurant Kollerjnrdin?) die Freunde dieses Sports unter den Mit­gliedern seines Vereins ein nnd teilt dabei mit:Der Kegelklub hat obige Kegelbahn definitiv für die Winter-Saison gewählt und wird ans derselben jeden Montng Abends 8 Uhr geschoben." Er hegt dabeidie sichere Hoffnung, daß Geselligkeit nnd Fröhlichkeit gleich den früheren Saisons auch iu dieser im Clube herrschen mögen, auf daß unsre Abende in ungezwungenster Weise nnd zn Aller Erheiterung verlcinfen." Gewiß wird es zu Aller Erheiterung diene», wenn sich ernsthaste und gebildete Jourualisteu uud Schriftsteller zu Kegel» hergeben. Ob das aber znr Würde des Standes beitrage» wird, und ob die Einladnng zum Beitritt wirtlich Folge haben wird?

Über eiuen angeblichen Unfall des Kaisers haben srnnzösische Blätter in diesen Tagen umfangreiche Berichte gebracht, nach denen Kaiser Wilhelm dnrch einen Stnrz mit dem Pferde während der letzten Hofjagd in Österreich Verletzungen erlitten habe» sollte. Es wurde be­hauptet, er habe am Knie eine schwere Verwundung davongetragen nnd sofort dnrch ein Telegramm, das sogar wörtlich angegeben wurde, seine Gemahlin davon iu Kenntnis gesetzt. Dem gegenüber darf versichert werden, daß an beteiligter, hvchamilicher Stelle vvn diesem an­gebliche» Vorfalle nichts bekannt ist.

Das ist die nenoste Blüte des ZeilungSstils diehochcimtliche Stelle," ein liebliches Seitenstück zn derhochvffiziöseu Meldung." Unklar bleibt nur, in welchem Zusammenhang diebeteiligte Stelle" (am Unfall beteiligt?) mit einemHochamte" steht. Die blödsinnige Vorstellung, daß eineStelle" amtlicher als amtlich sein kvuue, geht doch wohl von einer Telegraphenagentur aus.

Unterredungen zwischen Abgeordneten der polnischen Fraktion nnd dem Reichskanzler, die als Verhandlunge» aufgefaßt werde» könnten, habe» i» keiner Weise stattgefunden. Auch mit dem Kultusminister sind Absprachen (!) nicht getroffen worden. (Saalczeitung, 4. Oktober.)

Verwundet, gefangen und als Aufrührer hingerichtet, übernahm es seine heldenmütige Gattin, den Ausstand fortzusetzen und so zugleich deu Gatten zu rächen.

(Rheinischer Kurier, 2. Oktober.)

Bei diesen kleinen Mahlzeiten giebt sich der Monarch, ans dessen Wink nach dem letzten Gericht, nach dem auch häufig die Kaiserin die Tafel verläßt, nm, wie sie entschuldigend sagt, nach den Kindern zu sehen, Cigarren und Münchner Bier herumgereicht werden, am un­gezwungensten. (Hallesche Zeitung, 27. September.)

Für die Redaktion verantwortlich: Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Wilh. Grunow in Leipzig Druck von Carl Marquart in Leipzig