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Das Königreich Westfalen
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Das Königreich Westfalen

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önigreich Westfalen - so nannte Napoleon im Jahre 1807 ein ans der deutschen Landkarte beliebig zusammengesuchtes Gebiet, das er seinem jüngsten Bruder Jerome, dem verwöhnten Ben­jamin der vierten Dynastie, znm Geschenk machte. Es umfaßte im wesentlichen die Erobcrungeu des letzten siegreichen Fcldzugs gegen Preuße:., die linkselbischen Besitzungen dieser schwer niedergeworfnen Macht, zu denen die brannschweigischen und knrhessischen Lande, sowie der südliche Teil des ehemaligen Kurfürstentums Hauuover kamen. Das neu­geschaffne Staatswesen wurde ganz nach französischem Mnster geordnet, denn nur so, ganz ohne Rücksicht auf die nationalen und geschichtlich begründeten Eigentümlichkeiten dieser Lande, konnte etwas Einheitliches geschaffen werden Freilich rief der Radikalismus, mit dem das neue Regiment vorging, vielfach Unwillen hervor, und selbst später noch, als man die gnten Folgen, die namentlich in der Beseitigung des alteingebürgerten Schlendrians der Ver­waltung bestanden, anerkannte, fehlte es nicht an Leuten, in deren Erinnerung nur die Trübsale jener schweren Zeiten haften geblieben waren. Das kann '"an ihnen nun nicht verübeln, denn schwer hat Napoleons Hand auf diesen Landern geruht. Anders aber stellt sich der Geschichtsforscher bei der Be­urteilung dieses Staatswesens; er wägt die Vorteile, die das französische Re­giment brachte, gegen die Opfer ab. Und wenn bereits ein so hervorragender Staatsmann wie der preußische Staatskanzler von Hardenberg den Reformen, die damals in Westfalen angebahnt wurden, seine Aufmerksamkeit schenkte, so ist das ein Zeichen sür ihre Bedeutung- Freilich schwand mit dem Sturz des korsischen Usurpators die Herrlichkeit seines in Kassel lnstig residirenden Brnders schnell dahin, nnd die alten Gewalten kehrten zurück. Aber sie konnten doch unmöglich all deii getroffnen Neuerungen in der Gesetzgebung und Verwaltung vorübergehen, sie mußten ihnen Rechnung tragen. So bildet denn das König­reich Westfalen ein wichtiges Bindeglied in dem Übergänge vom Feudalstaat Mm modernen Staatswesen und verdient wohl eine eingehendere Betrachtung.

Ein Spiel des Zufalls ist es. daß soeben zwei Werke erschienen sind, die sich dieser Aufgabe unterziehen. Im einzelnen bringen sie verschiednes. Der durch seine Studien über die napoleonische Zeit bekannnte Heidelberger Professor