426
Maßgebliches und Unmaßgebliches
los, zur großen Verwunderung der vernünftigen Staatsbürger, die mit ihm Zu thun haben. Diese Herren sind es denn auch, die ihre milde Hand schützend über veraltete Zustände halten, die ohne ihre hohe „Protektion" längst der Vergessenheit anheimgefallen wären. Was aber innerhalb der akademischen Kreise noch lebendig ist an echter Studcntenpocsie, das hat mit dem Firlefanz des Verbindungswesens weilig zu thun, das wird sich Wohl auch als unsterblich erweisen, wie alle echte Poesie. Wir wollen es wenigstens hoffen, zur Ehre von Deutschlands akademischer Jugend.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Erwiderung. In Nr. 28 der Grenzboten beklagt sich ein französischer Leser, Herr Th. Nnysseu, über die mangelhafte Aufmerksamkeit, die in Deutschland den Erzeugnissen der wissenschaftlichen und belletristischen Litteratur Frankreichs, sowie der französischen Kuust geschenkt werde, wahrend umgekehrt in Frankreich die deutsche Litteratur gekannt und gelesen, die deutsche Kuust gepflegt werde. Wie weit der erste Satz berechtigt ist, wallen wir hier auf sich beruhen lasse». Der zweite hat durch Herrn Th. Nuyssen selbst eine merkwürdige Bestätigung erhalten iu einem Aufsatz über Ernst Renan, der in der Juuinummer von Westermanns Monatshefte» erschienen ist. In diesem Aufsätze leseu wir in einer Schilderung des vvu Renan unvollendet hinterlassenen Wertes über die Geschichte des Volkes Israel: „Es war freilich kein neuer Gedanke, dasselbe kritische Verfahren beim Schöpfuugsbericht und beim Buche Jesnias wie bei der Jlias uud beim Nolandslied in Anwendung zu. bringen. Nur war bisher das Wirken der weltliche» Bibelforscher ausschließlich zerstörend gewesen." Und weiter: „Es bleibt das unvergängliche Verdienst Nenaus. dem Stamme Beni Israel seinen gebührenden Platz in der Geschichte der Welt wieder erobert zu haben." Herr Nuyssen hat also keine Kenntnis davon, daß auch in Deutschland von Ewald bis auf Stade einiges über diesen Gegeustaud geschrieben worden ist, noch weniger davon, daß es deutsche Gelehrte gewesen sind, die zuerst die Aufgabe gestellt und zu lösen versucht haben, deren Durchführung er Renan zum „unvergänglichen Verdienst" anrechnet, nnd daß Renan auf Schritt und Tritt in den Spuren dieser Gelehrten wandelt. Daß überdies die deutschen Gelehrte» iu der Lvsuug der Aufgabe viel glücklicher gewesen sind, als der französische Akademiker, davon kann sich Herr Ruysseu selbst überzeugen, weun er sich die einschlagende Litteratur einmal ansehen will. Erkundigung bei einem Fachmann oder Einsicht in die Angaben bei R. Kittel, Geschichte der Hebräer (Gotha, 1888), wird ihm die nötigen Titel liefern.
Das Wunschzettelprogramm, das infolge des im vorigen Hefte besprochuen Konzertwunfchzettels zu stände gekommen ist, ist gennn so ausgefallen, wie wir erwartet hatten, aber jedenfalls ganz anders, als der Herr Musikdirektor erwartet hatte. Es sind im ganzen 330 Exemplare deS Wunschzettels abgegeben worden. Die meisten Stimmen haben unter den 12V zur Auswahl gestellten Musikstücken folgende 12 gehabt: