Beitrag 
Zur Wohnungsfrage
Seite
397
Einzelbild herunterladen
 

Aus Deutschlands trübster Zeit 397

versagt werden. Ebenso müßte es berücksichtigt werden, wenn einer seine. Söhne im Kadettenhause untergebracht hat.

Fraglich ist es, ob für alle Stnfen in Heer und Beamtentum eine gleich­mäßige Erhöhung der in Frage kommenden Bezüge festzusetzen wäre. Die Gehaltsverhältnisse der Stabsoffiziere sind derart, daß bei ihnen wohl eine Er­höhung nicht so dringend nötig ist, auch wenn mehrere Kinder zu erziehen sind. Vielleicht brauchte hier eine Erhöhung erst bei vier noch im Hause zu erziehenden Kiudern einzutreten. Beim Regimentskommandeur könnte wohl von einer Erhöhung ganz abgesehen werden, denn sein Einkommen ist, selbst wenn die Familie zahlreich ist, völlig ausreichend. Aber die Familie des Haupt- mcmns und des diesem an Gehalt etwa gleichstehenden Beamten ist einer Hilfe dringend bedürftig. Natürlich dürften durch eine derartige Neuordnung die Sätze des einstigen Ruhegehalts nicht berührt werden.

Der Staat hat den berittnen Offizieren gegenüber erst kürzlich anerkannt, daß ihnen Pferdegclder bewilligt werden müssen. Sollten nicht auch die Kinder unsrer Offiziere und Beamten einige wohlwollende Rücksicht verdienenV Bis- marck hatte einmal darauf hingewiesen, daß die größere Intelligenz unsrer Bevölkerung ein großes Stück Wehrkraft ist, worin es uns die Nachbarn im Osten und Westen nicht gleichthun können. Wir würden ihnen überlegen sein, selbst wenn sie uus mit stärkern Heeren zu Leibe gehen wollten. Das -st durchaus richtig. Aber wird es auch immer so bleiben? Es giebt in unsern gebildeten Kreisen jetzt sehr viele kinderlose, sehr viele kinderarme Ehen; es giebt wohl auch noch kinderreiche Ehen, aber sie sind doch viel seltner ge­worden als früher.

Aus Deutschlands trübster Zeit

einrich von Treitschke hat einmal den Satz ausgesprochen, daß die trübste Zeit unsrer Geschichte nicht die zweite Hälfte des siebzehnten, fondern die zweite Hälfte des sechzehnten Jahr­hunderts gewesen sei, wounser Volk durch eigne Schuld in Zwietracht und Feigheit verkam,"wo jene politische Sünden­schuld angesammelt würde, die wir späten Enkel noch nicht völlig haben ab­tragen können, und der kriegerische Deutsche zum erstenmal auf Bahnen ein­lenkte, die ihn schließlich znm Philistertum sühren mußten." (Historische und Politische Aufsätze. Leipzig. 1871, S. 406 bis 407.) Von dieserschimpf-